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Weinrebe und Weinstock.
viel ob rother oder weisser. Gebrauchteman, wie gewöhnlich behauptet wird, zumAbendmahl am Paschafeste nur rothenW., so wird Christus ebenso zur Eucha-ristie sich des rothen Weines bedient ha-ben, zumal dieser als Symbol sich bessereignete als der weisse. Wie nämlich durchdas Blut des Paschalammes einst IsraelsErstgeburt vom Tode verschont blieb, sowurde durch Christi Blut die ganze Mensch-heit erlöst. Wie dem aber sei, die Farbegalt stets als Nebensache und war schonin ältester Zeit der weisse W. bei derMesse im Gebrauch. Wenn der GnostikerMarcus, der um das J. 160—170 lebte,beim Abendmahl den Kelch mit weissemW. füllte und ihn, um die Leute durchangebliche Wunder zu täuschen, nach Ver-richtung eines längern Gebetes roth er-scheinen liess (Iren. Adv. haer. I 13, 2),so haben offenbar auch die Gläubigen da-1mals weissen W. beim Opfer gebraucht,denn sonst wäre der von Marcus ange-strebte Contrast nicht in die Augen ge-fallen. Die Güte des Opferweins anlan-gend, so richtete sich die Auswahl einerbessern oder geringem Sorte nach Zeitund Umständen. Der beste und stärkstegalt indess für das Opfer als der geeig-netste. So rühmt es der hl. Gregor vonTours einer Wittwe nach, dass sie zurDarbringung der für ihren verstorbenenGemahl bestellten Messen nicht einhei-mische, sondern Weine aus Gaza kommenliess (De glor. confess. c. 65). Besondershaben zu An-fang des MA.sdie zahlrei-chen Abteienund Nonnen-klöster grosseSorgfalt aufden euchari-stischen W.
verwendet.
Für die des-fallsige Klo-stertraditionfinden wir beiMartine (Deant. monach.rit. II 8) fol-genden Aus-druck: in vinoquattuor suntconsideranda,color et sa-por, ut pu-rum sit et nonacidum. Be-züglich desdem W. bei-zumischenden
Wassers heisst es: aqua munda sit etrecens. peters.
WEINREBE und WEINSTOCK werdenim christlichen Alterthum mit Vorliebeallegorisch gebraucht. Wie man mit sym-bolischen und allegorischen Darstellungenüberhaupt nicht willkürlich verfuhr, son-dern sich bei ihren Anwendungen wo mög-lich im engsten Anschluss an die hl. Schrifthielt, so ist auch die Weinrebe in ihrerBedeutung als christliche Allegorie derhl. Schrift entlehnt. Ego sum vitis vera,.pater meus agricola est (Ioan. 15, 1), und:ego sum vitis, vos palmites (1. c. n. 5),wo der Weinstock Christus, die Zweigedie Gläubigen bezeichnen. Aehnlich Cant,cantic. 1, 13: botrus Cypri dilectus meusmihi in vineis Engaddi. Zunächst auf dasauserwählte Volk Gottes und prophetischauf die Kirche gehen: vineam de Aegyptotranstulisti, extendit palmites suos usquead mare (Ps. 79, 9 u. Isaias 5).
Auch in den Quellen der Tradition hatsich diese Anschauung fortgepffanzt. In denConst. apost. (1. I, Prooem.) wird die Kircheeine Pflanzung Gottes und sein auserwähl-ter Weinberg genannt. In dem Tractat Deduplici martyrio (VI 259, ed. Baluze), irr-thümlicher Weise Cyprian zugeschrieben,heisst es: ista beata vitis a Christi stipite-surgens et occupans orbem terrarum.
Auf Grund dieser Stellen kann an derallegorischen Bedeutung der Weinrebe,des Weinstocks und der Traube auf christ-lichen Monu-menten keinZweifel be-stehen , wennauch nicht ge-leugnet wer-den darf, dassdaneben in derchristlichenKunst, wie esebenso in derclassischenUebung war,die Weinrebeals blosses Or-nament ver-wendet wur-de , wie diesvon einer De-coration ausdem ältestenTheil von S.Domitilla (ab-geb. bei KrausR. S. 2 79) be-hauptet wer-denmuss. Vgl.Le Blant Re-
Fig. 534. Fresco von einem Coemeterium der Via latina (Bottaritav. XCIII 1 ).