Band 
Erster Band: Unter-Italien.
Seite
379-380
JPEG-Download
 

379

7 . Der Vesuv (Produkte).

380

Chloride und Sulfate, auch Sulfite; unterden Oxyden ..besonders Tenorit (mit Koch-salz) und Eisenglanz. Während anfangs nurtrockene Dämpfe mit Alkalichloriden vor-dräugen, so ist nach einiger Zeit auch freieChlorwasserstoffsäure vorhanden; dies ist dieFolge vom Auftreten von Wasserdämpfen.»Treffen Kochsalz (Chlornatrium)undWasser-dämpfe auf noch glühende Laven, welcheEisenoxyd, Kupferoxyd, Bleioxyd und ande-res enthalten, so bildet die Chlorwasserstoff-saure mit diesen Oxyden flüchtige Chloride;später, infolge weitern Zutrptens von Was-serdämpien, wandeln sich diese Chloridewieder in Oxyde (Eisenglanz, Kupferoxj’d)um, während Chlorblei als schwer löslichpinzersetzt bleibt.« (Rammehberg.) — DasAuftreten der freien Säuren (Chlorwasser-stoff, Schwefelwasserstoff, schweflige Säure)in den vulkanischen Dämpfen setzt die Mit-wirkung des Wassers voraus.

WaHterKtojfgas bildet den Faktor derFlammen, welche neben dem Glutfeuer derEavaströme bemerkt werden.

Die Reihenfolge der Erscheinungenbei einem Ausbruch ist eine ziemlichbeständige. Als Vorzeichen eines grossenAusbruchs bemerkt man häufig das Ver-siegen und Trüben der Brunnen undQuellen sowie plötzliches Zurück-weichen des Meers (wohl wegen plötz-licher Senkung des Meeresbodens),unterirdisches Getöse, wie das Rolleneines Bahnzugs oder wie ein heftigesArtilleriefeuer, manchmal auch kaumvom Donner zu unterscheiden, oder»wie wenn durch diese Erdstösse unter-irdische Klüfte erweitert würden, unddas Fallen der losgesprengten Trümmerdas Getöse verursachte« ; Erzittern desBodens durch die Stösse gegen die Kra-terdecke und durch die Dampfexplosio-nen, Aufwirbeln von Rauchwolken ausdem Krater, deren Schwärze der mit-gerissene vulkanische Sand bedingt.Dieser Pennacchio di fuinmo wird vonAuswürfen feuriger Materien begleitet,die Nachts eine feurige, von der glühen-den Lava durchleuchtete Rauchsäuledarstellen.

Den icirhlichen Ausbruch leitet meistein überaus heftiger Stoss ein, derden letzten Widerstand bricht. Nunschiessen die Gase und Wasserdämpfemit überwältigendem Drängen aus dem ;Schlund des Kraters hervor, die Spann- jkraft des plötzlich entwickelten Dampfes |

schleudert die Aschen- und Steinmassenaus der Höhlung hoch in die Luft emporund die geschmolzene Lava schwilltrothglühend zur Höhe des Kraters hinan,den Wasserdampf zu grossen rundenBlasen wandelnd, die wie Kettenthurm-ammoniten in Kugelsegmenten sichhöher hinan immer mehr verbreiternund je nach der Mengung des Wasser-dampfes mit der Luft in längeren oderkürzeren Pausen aufwirbeln.

Diese Dampf- oder Rauchsäule nimmtdann an ihren Enden die schon vonPlinius charakteristisch beschriebeneForm einer gewaltigen Pinienfcrone an,deren Stamm zuweilen bis Ö000 m. an-steigt , und deren Dach durch die Ober-winde oft eine ungeheure Ausdehnungerhält. Wie der aus einer Dampfma-schine entlassene Wasserdampf unge-heure elektrische Funken entladet, soist auch die vulkanische Dampfwolkeder Sitz der gewaltigsten elektrischenErscheinungen } Blitze zucken hin undher, Gewitterregen strömt nieder, derDonner kracht mit dem Gebrüll desBergs um die Wette.

Nach Pahuien riilirt ein grosser Tlieilder Elektricität von der schnellen Ver-dichtung der Dämpfe her, welche sich inzusammengeballte Dunstmassen verwandeln,und diese Kondensation der Dämpfe ist eineQuelle von freier positiver Elektricität; dieAsche ist dagegen (durch das Fallen) ne-gativ elektrisch. Die Spannung in derRauchwolke kann durch das Fallen vonLapilli und Asche derart wachsen, dassEntladungen zwischen dem obern Theil derl'inie und ihrer Basis (der Krateroberfläche)erfolgen, daher die Blitze meist innerhalbder Rauchwolke bleiben und selten auf denBoden niederfahren, was vielleicht denalten Glauben an ihre Unschädlichkeit her-vorgerufen hat.

Eine grosse Zahl von Runsen undGräben des Vesuvs rühren von solchenGewitterströmen her, die dann wiederAsche, Schlacken und Geröll nieder-schwemmten. Diese Schlammströme(Torrenti di Fango) verwüsten oft weit-hin die Gegend.

Während nun die Lava glühend imKrater auf- und ah wogt, zwängt sichder Dampf in mächtigen Blasen durchdiese heisse gehobene Masse hindurch,verpufft und reisst bei seinem Platzen