Band 
Erster Band: Unter-Italien.
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8. Pompeji (Geschichte).

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Keine Stätte Italiens bietet für dieKenntnis des antiken Lebens einen bo-llern Genuss als Pompeji . Das antikeLeben ist liier in seinem alltäglichenLauf plötzlich überrascht begrabenworden und vieles von dem, was stehenblieb, ist aufs säuberlichste bis auf dasPflaster hinunter erhalten; aber für denUnvorbereiteten bleibt Pompeji eineStadt der Todten. Wer sich nicht be-gnügen will, eine Trümmerstätte zusehen, bedarf einer geschulten, ergän-zenden und lebensfrischen Phantasie.Selbst tüchtig Vorbereitete werden nurdurch wiederholten Besuch zum Voll-genuss gelangen, den so plötzlichen Ab-grund von 18 Jahrhunderten zu über-schreiten, das Fehlende wieder aufzu-bauen und die verlassenen Strassen nocheinmal zu bevölkern.

Einlässlichere Erklärung und einengrossen Reichthum von Abbildungen gibtdas treffliche Work von Overbeck, Pompeji in seinen Gebäuden, AUerthiimern und Kunst-werken, mit über 300 Illustrationen und mehre-ren Plänen (3. Aufl., Leipzig 1375, 2 Bde.).

Eingang. R. neben dem Hotel Diomedeist gegenwärtig der Aufgang zur Porta dellaMarina, vor welcher I. die Eintrittskarten(2 Fr.) zu losen sind. Man erhält einennuinerirten (Nr. 1 der am längsten ange-stellte) Führer, meist recht gut instruirt;man kann auch einen französisch oder eng-lisch sprechenden verlangen. (Nr. 58 Sici-lianer, aber Sohn einer Deutschen , sprichtdeutsch .) Am Drehkreuz unter dem 11a-rinenthor r. Eingang, 1. Ausgang. Hieritalienische und französische Beschreibungendes Sehenswerthesten für 2 Fr. und FiorellV. s(des Superintendenten der Ausgrabungen)»Descrizione di Pompei « (Napoli 1875; 7 Fr.).

Trinkgelder dürfen die Führer nicht au-nehmen, dagegen kann man sich ihnendurch Abkaufen von Photographien, Plä-nen, Beschreibungen abfällig erkenntlichzeigen. — Zum Kopiren, Messen u. dgl. be-darf es eines besondern Pevmesso (derjedoch bei jenen, den Künstlern und Pro-fessoren gratis evtheilten Karten mit einbe-griffen ist). Man lasse sich durch die Führernicht zur Eile treiben, da dieselben ver-pflichtet sind, der Zeiteintheilung des Be-suchers zu folgen. gS 3, Ein nur einiger-massen geistig fruchtbarer Besuch musswenigstens fünf Stunden in Anspruch neh-men ; denn es handelt sich hier nicht umblosses Sehen, sondern ebenso sehr um eindenkendes Rekonstruiren.— Wer bloss sehenwill, sieht hier—• zerstörte Häuser. — Axichist ein vorgängiges fleissiges Studiren desPlans sehr zu empfehlen, sowie der Ein-richtung des Hauses (S. 412 u. S. 454, Plan

'des Pausahauses). Den zweiten Besuch; macht man am besten an einem Sonntag,

1 wo man die Freiheit geniesst, sich nacheigenem Gutdünken überall hin zu verfügen.

I Wer einen ganzen Sonntag dazu verwenden[ will, der wird, wenn er genau der folgen-I den Beschreibung folgt, sich ein völlig! klares Bild dieser so merkwürdigen Stätte

• machen können.

Gewöhnlicher Rundgang der Führer (anden man nicht gebunden ist): 1. Forum.— 2. Strada dell’ Abbondanza. — 3. Quadri-i vio e Strada Stabiana, mit den zwei Theatern| und zwei Tempeln. — 4. Amphitheater. —

! 5. Strada degli Augustali. — 6. Strada dellaj Fortuna e di Nola—7. Die gegenwärtigenI Ausgrabungen (le attuali scavazioni). —

' 8. Strada di Mercurio. — 9. Strada Consolare.

! — 10. Gräberstrasse (Strada dei Sepolcri).

: Fiorelli’s Itinerar (soll jetzt auch für die

1 Führer empfohlen werden). 1. Porta Ma-\ rina. Basilica. Vcnustompel. Forum mitseinen Anbauten. Fortunatempel. — 2. Strada, di Mercurio. Fullonica. Fontane a musaieo.

; Gasa di Adone. C. di Apollo. 0. di Meleagro.

, C. di Castore e Polluce. Lupanar.—S. Strada: Consolare. Bäder. C. del Poeta tragico.

C. di Pausa. G. di Sallustio. Dogana. C.

; del Chirurgo . C. delle Vcstali. Albergo diAlbino. Hevkulanerthor. — 4. Gräberstrassc.I Villa des Diomöde. — 5. Strada della For-, tuna e di Nola. C. della Parete nera. C.! dei Capitelli figurati. C. del Fauno. C. dei

• Capitelli colorati. C. del Grauduca. C. delI Forno. C. del Torello. Die gegenwärtigenj Ausgrabungen. — 0. Quadrivio e Strada Sta-! biana. C. di Lucrezio. C. dei Principi: Russi. C. della Princip. Margherlta. C. dei| Diadumeni. C. del Paruasso. Amphitheater.! C. del Citarista. Tempio di Esculapio. Teatro: tragico. Odeon. Quartiere dei Soldati.

Porta Stabiana. Tempio d’Iside. Forotriangolare mit Herkulestempcl. — 7. Stradadell 1 Abbondanza. C. di Olconio. NeueThermen. C. di Rufo. C. di Sirico. Lupa-nar. C. dell 1 Orso. C. del Balcone pensile.C. del Cinghiale.

Abends 6 Uhr wird geschlossen.

: Zur Geschichte Pompeji’s . Pompeji

i mochte in seiner Blütezeit etwa 30,000; Einw. zählen und war eine kommerciell| rege Landstadt, welche die reichen Römer\ aircli gern zur Villeggiatur benutzten. Diej Ueberrcste des Luxus, die grosse Zahl derj öffentlichen Gebäude und die reiche Aus-| stattung mit Theatern bezeugen, wie selbst

• eine solche kleinere Provinzialstadt ein: Miniaturbild der Thatkraft und der Aus-j schreitung der Hauptstadt war. Nach an-I tiker Gewohnheit auf isolirter Anhöhe (einem. alten Lavastrom) erbaut, andern einst schiff-! baren Samo, war sie zugleich als nächstei Anwohnerin des mit Kocera und Kola ge-; meinsamen Hafens llandelsentrepot der um-' liegenden Städte. Ihre alte Bevölkerung

war eine einheimisch oskische. Sie hattedieselben Institutionen wie das älteste Rom und danach auch die Eintheilung in. den.