Band 
Erster Band: Unter-Italien.
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8. Poflipeji (Geschichte).

von S. nach N. gezogenen Cardo und denvon O. nach W. gezogenen Decumaims, anwelche sich dann parallele Strassen reihten,so dass der Stadtbezirk in neun Abschnittezerfiel, in welchen die Häuser vereinzelt inden Feldern standen, oder häufiger in Grup-pen vertheilt und von Pflanzland umgeben.Die ältesten Bauten wurden aus Steinender Umgegend (Monti dei Sarrasti) erbaut,mit grossen rechteckigen Blöcken, ohneGement. Aus dieser ältesten Zeit stammentheilweise die Mauern und Thore sowie dergrosse Tempel auf dem Hiigelplateau westl.vom Fluss, von den Griechen später demHerakles geweiht. Die wenigen rohen, ältestenHäuser, die aiis einem einzigen Atrium bestan-den mit 2—3 Kammern und von etwas Pflanz-land umgeben, bezeugen noch, Wie die Oskerbis ins 4. Jalirh. v. Chr. sich einrichteten.

Um 424 v. Chr. nahmen die von denApenninen niederziehenden Samniten dieStadt ein und hielten sich gegen 300 Jahre inderselben. Unter ihnen, da die hellenischeKunst Einfluss auf sie gewann, wandeltensich die düsteren Häuser der Kampaner indie heiteren, durch die schönen Formen desdorischen Stils verklärten bequemen "Woh-nungen um. Sie pflasterten die Strassen,errichteten grossartige öffentliche Gebäudeund machten durch ihre Kühnheit und KraftPompeji zu einem gefürchteten Bollwerkder italischen Völkerschaften.

Nach Vernichtung der Samniten wardPompeji römisches Municipum, vergass aberseine selbstgesetzgeberischen oskiscli-sam-uitischen Gesinnungen nicht, trat im Puni-sclien Krieg zu Hannihal und theilte daraufdas Geschick der kanipaniselien Städte,fiel im Bundesgenossenkrieg (91—81 v. Chr.)wieder von Rom ab und schlug unter An-führung des Cluentius zweimal die Römervon seinen Thoren zurück; aber Sulla brachdie Selbständigkeit der Stadt. RömischeSitte, römische Sprache, Präfekten und Sol-datenkolonien entfernten jeden alteinheimi-schen Einfluss. Beim Ausgang der Republik erfreute sich Pompeji des Luxus und derKunstliebhaberei der an Kampaniens Buchtausruhenden vornehmen Römer. — AuchCicero folgte wie immer dem guten Ton undhatte Mer eine seiner zahlreichen Villen(das Pompejanum), wo er ausruhend seinschönes Buch über die Pflichten schrieb,ln seinen Briefen (Attic. 1) erwähnt er, dassseine Freunde M. Marius und Pansa Land-güter in Pompeji hatten. — Amjmtm schickte{7 n. Chr.) römische Ansiedler hin, welchenördl. von der Gräberstrasse mit raschemGedeihen die Vorstadt Augustus felix sub-urbanus gründeten. Der Kaiser Claudiuszog sich vor Tiberius in seine pompejanischeVilla zurück und verlor hier seinen SolmDrusus durch die Quetschung einer mit demMund aufgefangenen hochgeworfenen Birne(noch jetzt Knabenspiel in Neapel ).

Mit dem römischen Vollbürgerrecht er-hielt Pompeji auch die römischen Klassen-unterschiede , welche diese lebhafte Stadt,

wie die noch erhaltenen Maueranschlägebezeugen, in die heftigsten modernen Walil-aufregungen versetzten. Pompeji hatte nunseinen Senat, die Dekurionen, seine Aristo-kratie (die Augustalen) und die Plebs. Esernannte seine Priester selbst, hatte eigenepolitische und administrative Gemeinde-versammlungen , besondere Steuercensoreu(Quinquennales), zwei konsularische Vorge-setzte (JMumviri), Aedilen (für Spiel-, Markt-,Bau- und Strassenpolizei), Quästoren u. a.— Aber kaum hatte Pompeji unter Augiistusund Nero seine höchste Blüte erreicht, danahte schon das Verderben. Im Jahr (53n. Chr. verkündigte ein grosses Erdbeben,welches die Säulen des Forums, die Basi-lika, mehrere Tempel, die Theater und vieleHäuser, besonders im südlichen Theil derStadt, niederwarf, das ■Wiederaufleben derlängst erstorbenen Thätigkeit des nur 9 KU.entfernten Vulkans. Die Zerstörung warso bedeutend, dass die Pompejanor ihre Stadtverliesseu und der römische Senat in ernsteErwägung zog, ob ein Wiederaufbau thun-lieh sei. Beim Neubau der Stadt als ColoniaVeneria Cornelia Pompeji machte sich durch-weg der moderne Stil des Kaiserreichs gel-tend, selbst die Mehrzahl der älteren Ueber-reste wurden durch Verkleisterung in dieHarmonie des römisch-korinthischen Stilshineingenütliigt. Das meiste, was manjetzt sieht, gehört daher der ZeitvonMero bis Titus an. Die wiedererstan-dene Stadt war theilweise (wie man es amForum und an vielen Peristylen sieht) nochmitten im Bauen beschäftigt, als am 24.August 79 n, Chr. der Vesuv zu vollemAusbruch kam und Pompeji, Herculaneum ,Staliiä und andere Ortschaften begrub.

Der berühmte Naturforscher Plinius wardamals Befehlshaber der bei Misenum auf-gestellten FJotte; er sah eine Dampfwolkepinienförmig, bald weiss, bald dunkel siclierheben, eilte nach Stabiä (Castcllamare)der Gefahr entgegen; Asche fiel auf dieSchiffe immer lieisser und dichter, Bims-steine folgten, Feuersäulen stiegen aus demKrater und schon am folgenden Morgenwaren die Höfe von Asche und Bimssteinso hoch angefüllt, dass der Ausgang aus denZimmern Gefahr brachte. Man floh hineinund hinaus, eilte mit Kissen auf dem Kopf,mit Fackeln und Lichtem am hellen Tagdie Strassen dahin. Wild brauste das Meer,die Luft war durch erstickende Gase ver-dorben. Plinius wai'd ein Opfer seinesEifers. Gestützt auf zwei »Sklaven erhober sich, sank aber (schon früher an Eng-brüstigkeit leidend) sogleich nieder, ersticktdurch die ausströmenden Mofetton. Selbstin Misenum, wo sein Neffe, Plinius derJüngere, geblieben war, warf das Erdbebenzur Flucht gerüstete Wägen auf ebenemFeld hin und her. — Plinnts erzählt:

»Ein dichter Dampf in unserem Rückenkam hinter uns her, wie ein auf die Erdegegossener Strom. Gehen wir auf die Seite,sagte ich zur Mutter, so lauge wir nochsehen, damit wir nicht, auf der Strasse lic-14*