409
410
essantesten Stätten des Erdbodens, Zuden neuen Ausgrabungen werden gegen-wärtig bis 200 Arbeiter verwendet; eswurde 1872 die Region der Porta Sta-biana in Angriff genommen und nord-wärts bis 1876 fortgesetzt, auch dieArbeiten zwischen Porta Marina unddem Venustempel weitergeführt.
In jüngster Zeit war man so glück-lich , mehrere Häuser von höherer Be-deutung, mit noch sehr frisch erhaltenenMalereien, nordwärts von der StabiauerStrasse auszugraben (Casa del Orfeo, diLaoeoonte, dei Distiehi).
Mauern, Thore, Strassen undInschriften.
Ein grosser Theil der Mauern, dieelliptisch die Stadt in einem Umkreisvon ca. V 2 St. (2600 m.) umzogen,stammt noch aus der ältesten oskischenZeit, kenntlich an den mörtellos ge-lagerten grossen Kalk- und Peperin-blöcken (oskisclie Inschrift am Ende derMerkurstrasse auf der Innenseite derMauer). Nach der theihveisen Zerstö-rung unter Sulla wurden die Repara-turen eilfertig in Opus incertum (Bruch-steinchcn von Lava und Tuff, vermürteltund stukkirt) ausgeführt. An der aus-sichtsreichen, dem Meer zugewandtenlinken Stadtseite ist die Mauer strecken-weise durch terrassenförmige (daheroft dreigeschossige) Häuser ersetzt wor-den. Zwischen den äusseren und in-neren , je 3 m. dicken Mauern ist einWall, über dem die Brustwehren dervorderen Mauern Schiessscharten zumAbschleudern der Wurfgeschosse haben.— Die Tliürme sind erst bei der ra-schen Reparatur entstanden, daher ausstukkirter Gussmasse, unten mit Ausfall-thoren , oben mit Schiessscliarten. Dieinnere Mauer überragt die äussere (dieje nach den Bodenverhältnissen 8—10 m.Höhe hat) um ca. 2 V 2 m.
Von den acht Thoren sind dievier am besten erhaltenen: das Seethor(Porta della Marina), mit überwölbtemGang; das Ilerlculaneische Thor > eineDoppelpforte mit Nebeneingängen (jetztohne Wölbung), bei der Gräberstrasse;
das Nolaner Thor, das älteste, mit präch-tigen Hausteinen, laut oskischer In-schrift durch Vibius Popidius errichtet;das Kocera-Thor, bei dem Theater, ganzaus Quadern. Die Stadt war nach denGrenzbestimmungen des Templums deritalischen Augurallehre eingetheilt, dieStrada Stahiana war der Cardo maxi-mus dieser Eintlieilung (S. 421).
Die Strassen der Stadt sind meisti sehr gerade, aber des Schattens halber
■ schmal (meist nur 4 m., die Hauptstras-; sen 7 in. breit), im rechten Winkel sichi durchkreuzend. Die eigentliche Fahr-j strasse ist mit polygonalen Lavablöcken| sorgfältig gepflastert, die Trottoirs ca.
| 1 ji m. hoch, 1 m. breit und verschiedenbelegt (Marmor, Erde, Mosaik, Ziegel).Auffällig sind die grossen elliptischenTrittsteine, über die man von einem: Trottoir zum andern trocken schreiten| konnte und welche zwischen sich Platz: für durchfahrende Wagen Hessen . DasI Fahren in den Städten war übrigens
■ meist nur Vornehmen gestattet, und: Stallungen hat man in der Stadt sehr; wenige aufgefunden, doch sieht man ganzI deutlich die Einschnitte der Wagen und
j die Spuren von Pferdehufen. DieNamen(der Strassen, welche jetzt der neuenRegioneneintheilung weichen , sind mo-; dem erfunden. Die Ilausthüren tragen; besondere Nummern und an den Eckenj sind die Regionen ungeschrieben. Woj sich die Strassen kreuzen, sind meisti Brunnen angebracht, viereckige Becken,
, in welche das Wasser aus altarförmigen,mit Maske oder Tliierköpfen verziertenCippen herabfiel. In Verbindung mitden Brunnen sind den Laren (Haus-göttern) , deren Einfluss sich auch aufdie Strasse erstreckte, kleine Laren-altäre errichtet. Die Laren werden mitLorbeerkranz und oft mit Trinkhornin der Linken dargestellt. Zwei siclieinander zuwendende hochgeringelteSchlangen und OpferdarstcIInngen voll-enden das Bild.
Eigentümliche antike Lebensbildergewähren die Inschriften an denAussenwänden der Häuser, die an denälteren Häusern meist verloren gingen,