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an den neu ausgegrabenen jedoch ingrosser Zahl frisch erhalten sind (dieBerliner Akademie hat die bis 1871aufgefundenen publicirt). Diese Auf-schriften zeichnen ganz vortrefflichdas Alltagstreiben. Man findet grosserotlie, sorgfältig mit Mennig aufgemalteStrassenplakate (Dipinti), die bestimm-ten Schreibern (daher in gleicher Form)übertragen wurden. Die Mehrzahl sindEmpfehlungen von Kandidaten zu denstädtischen Aemtern (besonders zumDuumvirat und zur Aedilität); mankann noch die republikanische undkaiserliche Epoche unterscheiden, dennin letzterer ist der Ausdruck schwan-kender, die Rechtsformen weichen demBelieben, häufig nennen sich die Em-pfehler, oft sogar in Gemeinschaft,ein Meister mit Lehrjungen, ein Ver-käufer und seine Kunden, Nachbarneiner Gasse, Mann und Frau, ganzeGenossenschaften, wobei man inne wird,dass die Ackerleute in der Nähe desNolaner Thors, dieMarktleute undMaul-thiertreiber an der von der Gräber-strasse hineinführenden Gasthofsstrasse( Via Gonsolare), die Holzhändler in derVia Stabiana, die Kornhändler an derPicke der Via del Foro, die Obsthänd-ler am Ende der Via Mercurio, die demIsisdienst Obliegenden bei deren Tempelund die Venusdiener bei einem Venus-tempel unweit des Amphitheaters ihreWohnung hatten. Salinenarbeiter (inden Salinen bei Herculaneum ), Walker,Mäntelschneider, Goldarbeiter, Toilette-händler, Bäcker, P'assbinder, Ilühner-verkäufer, PTiseure, Pastetenhändlerfindet man unter den Gewerbtreibenden.Der Empfohlene wird als Ehrenmann(vir bonus) } hochverdient (bene meri-tus), staatsmännisch gebildet (dignus reipublicae) empfohlen. Unter den Stadt-ämtern wiegt in den älteren Zeiten dasDuumvirat (die zwei wechselnden Bür-germeister), in den späteren die Aedilität(Bau-, Markt-, Spielvorstand) vor; dieNamen der Plmpfolilenen sind als Be-kannte zuweilen nur mit den Anfangs-buchstaben bezeichnet. Auch Ankün-digungen von Gladiatorenspielen, die
| bei den Pompejanern selbst zu nach-| barlichen Schlägereien mit den Noceri-nern führten (Taeit. Anw. XIV, 17),sogar mit der Angabe der Anzahl derj auftretenden Paare, und die Anzeigevor Hitze schützender Zeltdächer undkünstlicher Staubregen blieben erhalten.Die für diesen Zweck geweisste Wandliiess Album. Eingekritzelte Grüsse,Bitten , Glückwünsche , Dichtersprüche,Sentenzen, Liebesklagen und selbstVerwünschungen, die inan hier und daan den Innenwänden findet, lassen man-chen tiefen Blick in das Kleinlebenwerfen.
Die Häuser.
Die Anlage der Häuser ist fastdurchgängig von grosser Gleichförmig-keit , die einfachsten Bauten des Hand-werkers haben noch vieles mit den: jetzigen in Neapel gemein; selbst diej grösseren Wohnungen weisen in ihrenj weiten Höfen auf die südliche Gewohn-| heit, den freien Himmel als die wahreStätte des Lebens zu betrachten und dieJ gedeckten Bäume mehr zum Zweck des! Unterkommens. Das Material der Häu-| ser sind meist kleine, durch Mörtel ge-kittete Bruchsteine, Ziegel, manchmal, auch (an den Eckpfeilern) Tuffquadern;
1 Marmor ist selbst in den öffentlichen| Gebäuden sehr selten. Auch die Säulen; sind nur stukkirte Ziegellagen oder| haben höchstens Tuffkerne. DieGrund-; fläche der vornehmeren Häuser ist zu-1 weilen sehr bedeutend, aber sie zer-fällt bei allen Häusern in auffallendviele kleine Räume, in der Mehrzahlso klein, dass sie nur 4—5 PersonenPlatz zur freien Bewegung boten. Manliebte vorzugsweise den Aufenthalt inden Höfen und Säulengängen und lebteviel ausser dem Haus in reger Theil-nalinie an der Oeffentlichkeit. Dochhaben die Gesellschaftszimmer in vor-nehmeren Häusern nicht unbedeutendeDimensionen.
Aussen zeigen die Häuser die kahlenWände ohne Gesimse und haben imGegensatz zur modernen Welt meistkeine Fenster auf die Strasse hinaus,höchstens vergitterte kleine Oeffnungen,