Band 
Erster Band: Unter-Italien.
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507 8. Pompeji (Curia Isiäca

gen Gebet und Cbor, man besprengte sich 1mit dem Weihwasser des Nils und fastetenach Vorschrift: Opfer und Bezahlung unter-stützten bei Vergehen die Fürbitte. An-fangs November war die Hauptprocession,die Geschichte der Göttin wurde in Trauerund Freude aufgeführt. Daneben gab es be-sodere Weihen; die Geweihten hatten ge-schorenes Haupt und trugen linnene Kittel;die Einweihungen durchliefen besondereGrade durch allerlei symbolische Schreck-nisse der Finsternis und des Todes zum Lichtund zur Verklärung. Danach richtete sichauch der Tempelbau. Bei dem Erdbeben63 n. Chr. stürzte dieser Tempel ein, und laut(der kopirten) Inschrift über der Seitenthürliess ihn der sechsjährige Nonnius PopidiusCelsinus auf seine Kosten wieder aufbauen,worauf ihn die Dekurionen gratis in ihrKollegium aufnahmen.

Der Tempel, ein mit sehr hartemStuck in rechteckigen Feldern bekleide-ter Ziegelbau, ist einer der vollständigsterhaltenen Pompeji’s, 30 m. lang und18,50 m. breit. Man betritt zunächstden Tempelhof, dessen vier Seitenvon 22 unten rothen, oben weissen do-rischen Säulen mit stukkirten Tuffkapi-tälen umgeben sind. Zwischen den Säu-len sind fünf Altäre. Der nordwestlicheEingang in der linken Ecke läuft alleinparallel mit einer Strasse; hier warenzwei Weihwasserbecken aufgestellt (jetztim Museum). In der Mitte der linkenWand der Halle ist eine Iiarpohrates-nische, in welcher dessen Bild gemaltwar. (Gegenüber war die hübsche Isis-statue, jetzt im Museum.) Mitten imHof steht das über acht Stufen erhöhteIcleirte Tempelhaics; es bildet eine recht-eckige, 5 m. breite Vertiefung, die durchPforten geschlossen war. Hinten ist seineganze Breite durch einen hohlen ge-wölbten Unterbau eingenommen, untenmit zwei kleinen Thiiren (wahrscheinlichfür die Dekorationen, schwerlich für dieOrakel). L. konnte man auf einer engenTreppe unter den Altar gelangen. Ueberdem Altar ist das Piedestal für die Isis-statue. Aussen r. und 1. sindzweiNisehen(mit korinthischen Pilastern) für Statuen(Osiris undHorus); vor der linken Nischeein Gabenaltar. In der Nische aussen, ander Rückwand der Cella, stand eine vonPopidius Ampliatus gestiftete, theilweisevergoldete und bemalte Bacchusstatue.L. vorn im Peristyl steht ein mit Stuck-

— Forum trianguläre).

reliefs reich verziertes Tempelhäuschen,das sogen. Purgatprium, mit einer Treppezu dem heiligen unterirdischen Brunnen,wo die religiösen Reinigungen vorge-nommen wurden (der Brunnen diente fürden Sarnokanal Fontana’s). — Neben derThür zum Purgatorium steht der Haupt-altar für die Brandopfer mit Erhöhungfür den Priester. — An die nordwestlicheEcke des Tempelhofs stossen die Priester-wohnungen (Küche und Refektorium), andie östliche ein grosser Saal hinter demSanctuarium, in den man durch fünf Ar-kaden eintritt, wohl der Mysteriensaal,denn seine Malereien (jetzt im Museum)beziehen sich alle auf den Kultus. Da-neben 1. ein Verbindungsgang mit demTheater. — Hinter der Isistempelstrasse,der grossen Mauer entlang, kommt manbei Nr. 29 in die sogen.

Curia Isiaca (PI. 67), ein recht-eckiger Hof, 24 m. lang und 17 m. breit,in welchem eine offene Fläche auf dreiSeiten von einer Kolonnade von 20 do-rischen, theilweise noch trefflich erhal-tenen Säulen umgeben ist. Die Säulenhaben einen untern Durchmesser von0,38 m., die Interkolumnien betragen anden Schmalseiten 2 m., an den Langseiten2^4 m. Die vierte Seite stÖsst an denMysteriensaal des Isistempels. Hinterder gegenüberstehenden Seite sind einigeZimmer, die ein zweites Geschoss trugen,und zu äusserst ein Ausgangzum Theater.Die Säule r. vom Eingang ist als Brunnendurchbohrt; ihr gegenüber (vor demhintern dritten Zwischensäulenraum) istein 2 m. hohes Piedestal ( Tribunal) mitdahinter angebrachter Treppe. Einean der Innenwand dieses Baues gefun-dene samnitische Inschrift berichtet, dassVibius Adiranus in seinem TestamentPompeji eine Summe vermachte, die lautDekret des pompejanischen Senats zumBau dieses öffentlichen Saals verwendetwurde, unter der Quästur des VibiusVicinus, der den Bau leitete. — Jenseitdieses Saals liegt das

*Fornin trianguläre (G 9), wel-ches man durch eine propyläenartige,schöne ionische Vorhalle betritt. Sechsionische Säulen (fast 6 m. hoch) und zwei