187
2 . Taleriuo (Dom).
188
äussere, Architektur und die innere An-ordnung scheint auch die englische Hei-mat des Stifters eingewirkt zu haben.
Der Bauherr des Doms war Waltci• oftlic. MM (von der Mulile) t ein Engländer,Hofkaphui König Heinrichs IT. von England,dann an den Normannenhof in Palerni > ge-zogen und seit 1170 als Erzbischof unter demNamen (iualterins Oiihamilim die Kirche vonPalermo regierend. Seinem grossartigenProjekt kam ein grosser Schatz zu Hülfe,den er angeblich bei dem Graben der Grund-mauern von S. Spirito (vor der Stadt) ineiner Urne fand. So trat an die Stelle, woeinst die im Jahr 600 erbaute Basilika sieherhoben, welche die Savacenen in eine Mo-schee verwandelt hatten, seit 1185 (Jahr derWeihe durch Walter) ein neuer Prachtbau.— Es wurde seitdem an dem Dom stets fort-gearbeitet und im 14., 15. und 16. Jahrh.Bauten hinzugefügt. Dennoch bewahrtederselbe bis zu Ende des vorigen Jahrhun-derts noch ziemlich ungetrübt seinen ur-sprünglichen Charakter. Erst der königlicheArchitekt Ferdinando Fnga aus Toscana ge-staltete, im vollsten "Widerspruch mit derAussenseite, das Innere in einen Tempelmodern römischen Stils um und liess diestörende Kuppel errichten.
J)ie Südseite des Aussen bau csist völlig frei dem grossen Platz zu-gewendet und hat an den Obcrwnndennoch die einfachen und durchschneiden-den spitzbogigen Arkaden, die reichemusivische Inkrustation, die abschliessen-den mächtigen, von phantastischen Kon-solen getragenen Bogenfriese und einennoch maurischen Zinnenkranz. Die Vor-halle der Südseite ist ein reizenderBau mit drei schlanken, gestelzten, vonvier Säulen von oricntalischcmGranit ge-tragenen Spitzbögen mit Keminiscenzenan saraccnisehe Vorbilder; die flankircn-den Thiinne wurden nicht aufgebaut undleider an die Stollc’der alten Bekrönungein antikisirender breiter Giebel (1450)aufgesetzt.
An der 1. Säule 1. ist eine kufische jInschrift aus dem Koran (7. Sura, 55. Vers:»Euer Gott hat den Tag geschaffen, dem Idie Nacht folgt, und der Mond und die iSterne sind beigefügt zum Werk nach jseinem Befehl. Hat nicht Er alle diese !Dinge geschaffen? Ist nicht Er der Ge- |bieter? Gelobet sei Gott, der Herr aller ;Zeiten«).-— Auf den Bogen ist Gott-Vater iskulpirt, im Pontiticalgewand, sitzend und !segnend, in der Linken das offene Buch; ■dann zwei Engel mit musikalischen Instru- jmenten; die Verkündigung; die Wappen Ivon Aragonicn, der palermitanischen Kirche \
und der Stadt; endlich zahlreiche Propheten,Patriarchen, Apostel, Heilige; am KarniesThiere, Monstren, Biattornamente. Inner-halb (1er Povticus, an den Wänden: In-schriften ; 1. Belief der Krönung des VittorioAmadeo von Savoyen, 1713; r. Karls III.Bourbon, 1735; an den Seiten in Nischendie Evangelistenstatuen.
Die *Thiir , welche ^us der Vorhallein die Kirche fuhrt, ist eine sein* saubereund feine Marmorarbeit von 1425.
Der Spitzbogen von sechs gewundenenSäulen flankirt, am .Fronton die Apostelund Evangelistcnsymbole; oben der segnendeChristus; darüber das Kreuz und auf demBogenscheitel der doppelküplige Adler, dasWappen der Kathedrale; zuletzt in einerNische die Madonna und zwei Engel mitKreuz, Dornenkrone und Leiter. Die la-teinische Inschrift (mit gothisehen Buch-staben) berichtet, dass die Marmorthür 1425vom Bildhauer Antonio Gambura ausgeführtwurde.
Die Wcstfaijadc, von 1350 — 00,ist sehr eigenthümlich ungeordnet. DieWand, an welcherLisenen die dreiSehiffedev Kirche andcuten, wird oben voneiner Arkadengallerie und von zierlichenspitzen Zinnen abgeschlossen. Zwei hohe,schlanke Thünne, in sechs Geschossegetlieilt, mit zweitheiligen, meist spitz-bogigen Oeffnungen, iiankiren die breiteVorderwand. Sie sind mit vielen Säulenund verschiedenfarbigen Marmorstückenaufs reichste dekorirt, in reizvollsterGruppirung; unvcrjiingt werden sie obenvon einem kleinen spitzen llelm bekrönt.— Drei Portale führen ins Innere. Das*Mi ttc 1 portal ist ein überaus köst-liches Werk, eine »Mischung einheimi-scher und fremder Formgedanken« vonreichster harmonischer Wirkung. DieOrnamente sind mit Geist und Flciss aus-gcfülirt, die Akantlmshlätter der Kapi-tale von leichtestem Schwung, die Figür-clien antikisirend.
Die Chor Seite hat noch grosse] i-theils das alte Gepräge bewahrt und bil-det eine sehr malerisch gruppirte 13au-massc; die Hauptapsis lehnt sieh an diegerade geschlossene Fa^ade, und an dieSeitenapsiden schliessen sich die Thtirmeaufs engste an; die beiden Querschiffe sinddeutlich markirt. Die reiche Gliederungist mit sehr feinen Gesimsen geschmückt,und die Färbung der Ornamente sowie