Band 
Zweiter Band: Sicilien.
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317 5. Marsala (Geschichtliches).

verzichten, wenn nur der Besitz von Lily-baion ihm bliebe. Aber Pyrrhos (276 v. Chr.)wollte diesen gefährlichen Vorposten denKarthagern nicht lassen. Jedoch trotz derungeheuersten Anstrengungen misslang dieEroberung, und nach zweimonatlichen Ar-beiten und Stürmen musste der Angriff auf-gegeben werden. Auch im ersten PunischcnKrieg widerstand Lilybäum den Körnern fastzehn Jahre (250—241 v. Chr.). Die Belage-rung dauerte so lange wie die von Troja,aber die sicilische Stadt blieb bis zum Endedes Kriegs siegreich und wurde nur infolgedes abgeschlossenen Friedens den Hörnernübergeben. Auf der Bandseile war die Stadtdurch eine Umwallung halbkreisförmig vomnördlichen bis zum südlichen Gestade um-zogen, ganz abgeschnitten und nur demjVfuth ihrer Besatzung überlassen. Aberdie gefährlichen Untiefen gestatteten denKörnern keine wirksame Blokade; von Kar-thago kam eine Expedition von 50 Schiffenvoll Vorräthen und mit 10,000 Mann (nachDiodor 40,000), durch die schwierige Fahr-strasse zwischen Klippen und Sandbänkenhindurch von kundigen Lotsen geleitet, un-gefährdet in den Hafen, denn letztere alleinwaren mit dem Wechsel von Tiefe undSeichtigkeit und den schiffbaren Kanälendes Zugangs vertraut (die meisten römischenSchiffe lagen am Strand und die Kudererwaren mit der Belagerung beschäftigt).Auch einzelne Schiffe trotzten den unbe-holfenen römischen Kreuzern: der kartha-gische Rathsherr I-Iannibal Khodius hielt aufseinem schnellsegelnden Dreiruderer die Kö-rner völlig zum besten. Das Belagerungs-heer von 110,000 Mann vermochte somitnicht einmal die Zufuhr von Lebensmittelnabzusclineiden. Der Winter, Hungersnotliund Krankheit dccimirtcn das römische Heer,und nach der schrecklichen Niederlage derKörner bei Drepana (S. 301) wurde der An-griff zum Kleinkrieg; erst die Niederlageder karthagischen Flotte bei den AegatischenInseln zwang Karthago, auch das unbesiegteLilybäum auszuhändigen. — (Die Geschichtedieses zehnjährigen Kampfs, wie sie Poly-bins erzählt, ist auch deshalb die inter-essanteste der ganzen römischen Kriegs-geschichte, weil in ihr mit lokaler Präcisiondie ganze Belagerungskunst der Alten dar-gestcllt wird.)

Auch unter den Römern bewahrte Lily-bäum seine Bedeutung und gewann nochan Blüte, denn es ward zum Kriegshafenfür Afrika und damit zu einem der wichtig-sten Kriegsplätze im Mittelmeer. Umsonstversuchten die Karthager im zweiten Klini-schen Krieg die Uebernimpeluug; umsonsttrachteten später die aufständischen Sklavenin seinen Besitz zu kommen. Von hier schifftesich Cäsar zum Krieg in Afrika ein. Eswar Sitz des römischen Quästors von West-sicilien. Cicero (Verr. V, 10) nennt sie splen-disnima civitas. Noch jetzt bezeugen aufge-fundene Gemmen und prachtvolle Gefässc(z.B. in der Casa Curatolo und im PalazzoUrignani) auch vom hohen Stand der Kunst.

Auf der Ostseite der Stadt, in dem durchSteinbrüche zerklüfteten Gebiet, sind dieaus der pliönikisclien Epoche stammendenAushöhlungen zu Gräbern benutzt’worden;in der Cornifliera bei S. Carlo kann manzu diesen Höhlen hiuabsteigen. Um dieGappnccini herum lag die Gräberstätte fürdas Volk, die Loculi sind in den Boden ge-schnitten (hier fand man die Mehrzahl deralten Münzen). — Beim Comento de’ Kicco-lini ist ein Steinbruck mit reicheren Gräbern,Steinbetten unter Rundbögen von 1 — 8 Grä-bern, mit innerem Bogen bis zu 6, einigemit bemalten Stuckornamenten. (Nach Schnb-rimj sind diese Gräber von panischer Her-kunft und wurden später von den Byzan-tinern benutzt, denen die Fresken zuzu-schreiben sind.) — Der Brunnen der Sibylleunter S. Giovanni s. oben.

Komische Inschriften findet mannoch an der Wand des Pal. Spadafora (C.Curtius Threptus); in der Klostonnaucr S.Stefano, auf einem Votivpfeiler; in der Mauervon 8. Giuseppe; ebenso in der Strada Gari-baldi , Strada Pannieri und an der Portanuova; in der Halle des Municipio.

Die antike Stadt lag auf vorge-streekter Halbinsel tlieilweise im Meer.Die äusserste Spitze der Halbinsel bildetedas Kap Lilybäum, das sich noch eineStunde weit in seiner ganzen Breite indas Meer hinein unterseeisch fortsetztund so die gefürchteten Sandbänke, Un-tiefen und Klippen hervorrief. Die Stadtwar auf allen Seiten durch Mauern ge-schützt; auf der nordöstlichen und süd-östlichen Landseite wehrte ein tiefer Gra-ben dem Zugang, der jetzt noch, 36—40Schritte breit in den felsigen Boden ein-gebrochen, vorhanden ist, mit wild zer-klüfteten Wänden, unten mit Grottenj und Höhlen; besonders imposant an derOstecke unter dem Kastell. Nordwest-wärts gegen das Meer wachsen auf demznge,schütteten Graben jetzt Korn undGemüse. Vom Verlauf der Mauern amKwsiöwmn^sindnoch an mehreren Stellengeradlinige Quaderzüge und einige gegendas Meer vorspringandeviereckigeThürmevorhanden. Südwestl. vom Anstoss desGrabens ans Meer sieht man die geebneteTerrasse eines Tempelehens, an demnoch die Säulensockel erhalten sind;nahebei eine in den Boden eingehaucneunterirdische Kammer, daneben einmosaicirter P'ussboden und die Besteeines stukkirten runden Bades; von liiergeht ein tlieilweise mosaicirter Weg ziuu