Band 
Zweiter Band: Sicilien.
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10. Uirgenti (Gescliichtllclies).

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Tempel des Zeus Polieus (des Stadfcschirmers)oben auf dem Bnrgfeld errichten wolltenund 200 Talente dazu aussetzten. Da derBoden dort sehr felsig und hart war, erbotsiel» Phalaris, den Bau zu leiten, denn erwerde die besten Arbeiter, das beste undbilligste Material und die sichersten Bürg-schaften für das eingehändigte Geld stellen.Das Volle vertraute ihm; er aber verwandtedas Geld, um sieh eine Macht zu schaffen,mietete viele Fremde und kaufte viele Skla-ven; dann liess er reichliches Material aufdie Burghölic schaffen, behauptete aber plötz-lich, es sei ihm viel davon gestohlen wor-den. Darauf gestattete ihm das Volk, dieAkropolis zu ummauern ; er aber bewaffnetenun die Sklaven, griff während der Deme-terfeier die Bürger an und wurde Herr vonAkragas«. — Seine 16jährige llcgierung(570-554) ist zum Sprichwort aller Grausam-keiten geworden. Seine Siege über zahl-reiche Städte bewirkte er tlieilweise durchList (als Weiber verkleidete Soldaten, Ge-treidezerstörungu.a.); er erfand vieleKricgs-masehinen und unterwarf sich einen grossenThcil von Sicilien. Kr entging mehrerenVerschwörungen, fiel aber durch einenVolksaufstand, nachdem er schon zuvorahnungsvoll, als er einen Geier Tauben ver-folgen sah, die demokratischen Worte ge-sprochen: »Auch die Tauben könnten sie-gen, wenn sie nur Muth hätten«. — SeineBedeutung für* die Entwickelung Sicilien»lag in seinem unablässigen Kampf gegendas panische Element, gegen Phöniker undKarthager. Wahrscheinlich litt er in Akra-gas noch den punisclien Kultus des stier-köpfigen Moloch, der Menschenopfer for-derte und Kinder aus seinen ehernen Ar-men in angefachte Flammen rollen liess.Seine Grausamkeit veraulasste danach dieSage, ein athenischer Künstler habe ihmeinen hohlen Stier ans Er/, verfertigt, derdurch untcrgelegtcs Feuer glühend gemachtwut'de und die Verurtlieilten des Phalarislangsam verbrannte, wobei ihr Wehgeheuldurch eine künstliche Vorrichtung wieStiergebrüll erscholl. Ein eherner Stierstand (laut Diodor und Polybius) auf der ;Burg von Akragas (wohl als ein altes Kul- jturdenkmal) und wurde, als die Karthageralle Kunstwerke raubten, mit den anderen jin ihre Hauptstadt geschleppt. Ein solcherStier wurde dann 146 v. Chr. durch Seipionach der Eroberung Karthago 1 » an Akragaszurückgegeben; ob der alte oder ein andererzu Moloclmpfern gebrauchter karthagischerStier, ist zweifelhaft. -Diodor sah den Stiermit eigenen Angen. Da derselbe auf derBurg stand, also wohl da, wo jetzt der Domsich erhebt, so scheint auch jener Tempel,den Phalaris zu besorgen hatte, dort ge-standen zu haben (S. 417).

Aohnlich, wie Phalaris, gelangte auchder edle Theron, aus dem altadligen-Ge-schlecht der Emmeniden (488 v. Chr.), zurHerrschaft über Akragas, einer der bestenFürsten Siciliens. Pindar (Olymp. II, 10)preist in seinem Gesang auf Theron:

»Von ihm rauscht, o Saiten, preist,

Des Gastrechtes Hort,lim, Akragas’ Stütze,

Aus hochgefeiertem GeschlechtDie Blume, liebend die Stadt,

Das, duldend vielfaches Unheil,

Sich am Strom hier die heil’geWohnung gründete und das Auge wardEikelia's. Hohes G IticlcErschien, des lluhms FülleUnd lieblicher Gewinn.

Laut sprecli 1 ich es beschwörend aus,Spreche trugfreien Sinns,

Dass Jahrhunderte hindurchKeine der Städte jeGezeugt solchen Mann, soHüifreich gesinnt den Freunden, soFreigebig spendender Iland,

Als Theron.

Doch Lobspruch verschmäht der Neid.Auch war’ es leichter, den Sand zu zählenam Gestade

Als wie viele Wonnen ErUm sich her streut,

Und wer vermag 1 » zu sagen?«

Wie er zu seiner Macht gelangte, erzähltPohji'm VI, hl: »Er hatte sich im geheimeneine Schar Lanzeiiträger verschafft, hatteaber kein Geld, zu bezahlen. Da nun dieStadt einen prächtigen Athenetempd auf derBurg erbaute und das Material in de;iWerkstätten gestohlen wurde, verlangte er,dass ihm der Tempelbau verpachtet würde;das Geld aber verwandte er für seine Lan-zenträger, die er gegen die Stadt gebrauchte,um sich zur Macht zu verhelfen«. Der Tem-pel der Athene steht wahrscheinlich in derKirche Maria de 1 Greci unterhalb des Doms,(1. h. des Zeustempels. Als Theron den feind-lichen Tyrannen Terillos von Ilimera, biszu dessen Gebiet Akragas herrschte, ver-trieben, verband sich dieser mit Anaxünsvon Rhegion und mit den Karthagern. Sostand Theron, in Verbindung mit seinemSchwiegersohn Getan von Syrakus, als Ver-theidiger der griechischen Kultur jenengegenüber. Die Karthager erschienen mit800,000 Mann Landtruppen, 200 Kriegs-schiffen und über 800 Lastschiffen (S. 465)unter dem einen der Könige Karthago 1 .-',Hamilkar, rückten von Palermo nach Ilimera,wurden aber-von Theron und Gelon voll-ständig geschlagen. Diesem Sieg verdanktdas autike Sicilien den höchsten Glanz undAkragas seine herrlichen Bauwerke. Dio-dor (XI, 25) erzählt: ./Die meisten der in derSchlacht bei Ilimera erbeuteten Kriegsge-fangenen wurden zum Nut/.cn der Gemeindeverwendet. Diese schnitten die Steine, answelchen nicht nur die grössten Götlertempderbaut wurden, sondern cs wurden auch1‘iir den Abfluss der Wasser aus der Stadtunterirdische Kanäle hergestellt, so gross,dass das Werk trotz seines gemeinenZwecks höchst merkwürdig war. Vom Un-ternehmer Phäax erhielten diese Leitun-gen den Namen I'häaken. Auch konstruirtendie Akragantiner einen kostbaren Schwinmt-teich (Kolymbothra), 20 Ellen tief, 6 Sta-