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von Oestreich und Vorderoestreich, von Steier und Künitkcn, dem man zum Gebrauche seiner Sahne undgar auch seiner Enkel ein Wörterbuch hätte widmen können, hat niemals gelebt; sie ist erdichtet um indieser Einkleidung etwa den Verdrufs zu äufsern, der über die Verleihung geistlicher Stellen durch leichterworbene Fürstengunsl empfunden ward. So werden denn auch Person und Name des Johannes liotmanblofs erdichtet sein. Es giebt ein altes Sprichwort Guet man kotman d. h. wer gar zu gut ist, bleibtim Kothe stecken , oder der wird in Staub getreten (Altd. Lesebuch 835, 8), und die Bairische Mundartbraucht kothig im Sinne von bestechlich: Schmellers Bair. Wörterb. 2, 344.
Der Brief ist unecht: die Zeit, in welcher der Yocabularius abgefqfst sei, kann aus ihm nicht ent-nommen werden, ebensowenig die Örtlichkeit der Abfafsung, und wir bleiben um beide zu ermitteln aufdie Merkmale eingeschränkt, die in dem Werke selber liegen. Und da lajst schon der Inhalt und dieganze Art und Weise, wie er gehandhabl ist, die letzte Ausarbeitung kaum auf frühere Zeiten anberau-men, als der auch die Handschrift angehcerl, dem vierzehnten Jahrhundert-, die Sprach formen aber sinddie, u-elche damals die Mundart Ilochalamanniens bezeichneten, und grofsentheils derselben jezt noch eigensind. Ich hebe um kurz zu sein nur einige, namentlich vocalische Besonderheiten hervor: au für langesa in haur I, 2. auten I, 82. spaun XII, 3. waut A'A', 25. waug XLVI, 70. spaut XLVII, 55; ou fürsolche 6, denen wirklich jener Diphthong zum Grunde liegt, in our I, 44 fg. XIV, II. strou A', 101.schoun XXXII, 26. schoufs XLVI, 125. aber auch croun A7F, 24 fgg.; e für ei in zweger II, 63.hei IX, 23. zechen XX, 35. spech XXI, 24. ben XXXVII, 94; als Umlaute des kurzen a bald e, mit e
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d. h. e bezeichnet in eni II, 16. bald ei in eini II, 18. lieild III, 6. breidi IV, 41. keimpfA', 134. baldauch ö in öphel 1, 27. XLI, 118 fgg. löschen XI, 19. mansche XXIX, 20 u. a.; Umlaut vor sch in esch17/, 36. flesch VII, 122. tesche V, 18 fg. XVII, 29. ^eschen VII, 20. tröscliel XXXVII, 114. fröschXXXIX, 46. XL, 50; beim Umlaute der Consonanl r verdoppelt in berri XIX, 19. berr XLI, 109. 111.126. 134. verrc XXII, 5; i in der Flexion für iu, z. B. rechti lingi gcstrachti I, 127 fgg. und sonstvon bezeichnenden Bildungsweisen die Vertauschung der starken gegen die schwache Form im gen. plur.wiben II, 63. boumen XLI, 9. 10. esten XLI, 31.
Indessen nur die letzte Ausarbeitung ist in das vierzehnte Jahrhundert zu setzen: die Materialien,welche dazu benützt sind, rühren meist aus früheren, ja theilweis noch ans dem allhochdeutschen Zeit-raum her: es gab schon im letztem der Isidorischen Glossare fast eine Unzahl. Merkmale solcher äl-teren Grundlagen sind Formen und Schreibungen wie heidan AA'A7F, 83. chrülljlen A7F, 7. chomatXX, 29. wolcheritunchli XLVI, 100. da sonst ch für k nicht mehr erscheint; wie ferner uu für w insinuuel XIII, 55. sei für sl oder schl in sclaf I, 262 fg. sclos IV, 102. 107. u. a. und ebenso sew in scwelleIV, HO; dann neben der üblichen Trennung zusammengesetzter Worte, z. B. Spis ader I, 70. das Zu-sammenschreiben eigentlich getrennter, z. B. Einliaur statt Ein haur I, 5. Balderkennendfelkraft, Lip-lichitingferfchinung stall Bald erkennend felkrafü, Liplichs tings erfcliinung I, 241. 265 (vgl. HauptsZeitschr. f. Deutsches Allerth. 5, 320); endlich Fehler wie z. B. die zu XXXIV, 87. XXXVI, 58. XXXVII,HO. XL, 38. XLVI, 54 angegebenen, die lediglich aus falscher Lesung verwischter oder missoerstandner
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