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früheren Sätzen nur ein oder zwei zufällig aufgegriffene Beispiele. Die Sprache des rcemischen Kaiserrechteshatte neben dem schon älteren Worte Vcredus (Vcredos antiqui dixerunt, quod vclierent rhedas Feslus)noch die halbgriechische Zusammensetzung paraveredus aufgebracht um, wie es scheint, ein solches Post-pferd zu bezeichnen, das nur auf den Nebenstraßen diente. Mit dem Beginne des Mittelalters liefs man.wie überhaupt die umständlichem Ausdrücke da die beliebteren waren , das einfache veredus fallen, undvon Cassiodorus an bis in die Karolingerzeit hiefs jedes Pferd, das dem Landesherm für Reisedienstezu liefern war, paraveredus oder, nun bereits entstellt, paravredus parafredus. Aus den Capitularienaber und den Gesetzbüchern trat das Wort in den allgemeineren Gebrauch und zugleich in die Sprachedes Volkes ein, das jedoch nur, indem es zugleich noch mehr entstellt und sein Begriff noch um vieleserweitert ward: ohne Rücksicht auf öffentlichen Dienst und nur im. Gegensätze zum Streitross nannte manjezt so alle Pferde , die man auf Reisen, beim Spazieren, bei feierlichen Anläßen, kurz außerhalb desKampfes ritt; in diesem Sinne sagte die fernere Latinilcet paredrus paledrus parefridus palefridus(XXX'VIII, 561 palafrenus u. dgl. (man mochte dabei an franum, vielleicht auch an palari denken), dasItaliccnische palafreno, das Französische palefrois, das Deutsche aber anfangs parafrid oder parfrit oderfarefrit (Graffs Diutiska 3, 264- u. Allhochd. Sprachschatz 3, 347) und noch im dreizehnten Jahrhundertpliärfrit (Haupts und Hoffmanns Altd. Blätter 2, 195), noch im vierzehnten pferft (Wiener Handschrift vonSiegfried Helblings Gedichten), wcehrend übrigens die noch verschliffneren Formen phorit (XXXVIII, 53) oderpfert bereits im zwölften aufgekommen teuren; endlich unser neuhochdeutsches Pferd hat auch jede Eingren-zung des Sinnes abgeworfen. Sodann. Die eigentlich deutschen Worte für die Begriffe der Heilkunst unddes Heilkünstlers sind goth. lekcis targog, lekinon (h-Qcmtutu; leikinassus dtgantla, althochd. lahliilächenare medicus, hihhinön mederi, lsvchen lahhida lähtuom lächentuom medicamen medicina: alles^ as (Jac. Grimms Deutsche Gramm. 2, 27) von der Wurzel des altnord. Zeitwortes leka tröpfeln. Jedochschon mit dem neunten Jahrhundert, begann, um jene deutschen allmcehlich zu verdrängen, der Gebraucheiniger Ausdrücke von unverkennbar fremdem Ursprünge, arzat medicus, arzetio medicina, arzenön me-deri, arzenaro medicus, arzentuom arzenie medicina. Die Etgmologen denken dabei einstimmig an arsun d artista ohne zu erwürgen, daß letzteres iceder den Lauten noch dem Begriffe nach (es ist entweders - v - a. magistcr artium oder als artilliator, fr. artilleur, Geschützmeister) zum Deutschen stimmt. Viel-mehi kommt, arzat von arcliiater, cor/jcagog. Das Mittellatein liebte die mit archi verstärkten Ausdrückeund brauchte sie gern, auch wo der Sinn die Verstärkung nicht erforderte; so denn auch (s. du Cangeund das zweite Buch des Reinardus) arcliiater, wo überhaupt nur von einem Arzte zu reden war. Dießaichi nun gieng zwar sonst mit dem Umlaute des a und der üblichen Vertauschung des cli gegen c oder z(vgl. cirurgicus AAT, 4. charitas althochd. zart, Charta mittelhochd. zart zerter) in erzi über, z. B. archi-episcopus ahd. erzipiscoph: in arzat jedoch fiel, da das Umlaut bewirkende i weggefallen und nur dasa geblieben war, auch der Umlaut weg. Den Schlußconsonanten endlich von arcliiater haben wenigstens diealtsächsischen und niederländischen Formen des Wortes fest gehalten, und diese zugleich ein e für a:ersater erzetere ersetre medicus, ersetren mederi, ersatrie ersetrie medela medicina (Gloss. Jun. 330 a.