491
sind immer mißtrauisch) sahen in dem fürstlichen Befehlnur eine Herstellung der Frohne, von der sie bereits zwei-mal sich losgekauft hatten. Willig schenkten sie daher demwegen seiner Rechtschaffenheit allgemein geschätzten Land-weibel Zohann German Gehör, der aus einer Familieherstammte, die von Alters her bedeutende Aemter beklei-det hatte ^). Aeußerungen des Zürcherischen Bürgermei-sters in seiner Gegenwart über die schönen Freiheiten derTockenburger hatten ihn veranlaßt, dieselben zum Gegen-stand eines eifrigen Studiums zu machen 22 ). Nach seinerAnsicht hatte der Fürst kein Recht, an sie solche Forde-rungen zu stellen. Er rieth daher, eifrig bemüht seineMitbürger davon zu überzeugen, sie sollen die Oeffnungdes Grafschaftsarchives verlangen. Da der Landvogt,Besenwald, als Soldat an unbedingten Gehorsam ge-wöhnt, ihnen kurzweg die Schlüssel verweigerte, setzten siesich mit Gewalt in den Besitz der Urkunden, die ihr Rechtdarthaten und verlangten dann, auf diese gestützt, den Bei-stand von Schwyz und Glarus 2 »). Ergrimmt darüberverurtheilte der Abt nach der Rückkehr der Abgeordnetenjeden derselben zu einer Buße von 200 Dukaten, die Pro-zeßkosten 2H ungerechnet. German, der sich selbst nachSt. Gallen begab, um offene Rechenschaft über den Her-gang abzulegen, ward gefangen gesetzt; seine Schriften inBeschlag genommen. Man sprach sogar von einem Todes-urtheil. Von Thurn, der ihn seinen Freund genannt hatte,wußte es dahin zu bringen, daß man sich mit der Kerker-strafe begnügte. Umsonst verlangten die Tockenburgerschaarenweise und in großer Aufregung vom Landvogte
22) Auch der Abt Kilian hatte derselben angehört. Henne.
23) „Er trug sich mit Gedanken an eine Republik ." Von Arr, 373.
24) 170k.
25) 2772 Gulden.