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im Tockenburg zu zerstören und wir lassen feigerweise dasSchwert in der Scheide ruhen, das der Herr zu dessenSchutz uns anvertraut." Von der andern Seite her er-goß sich über Luzern ein Schwärm aus Italien abgesen-deter Missionaire ^). Sie errichten vor der Stadt einGerüste, auf dem zugleich die erschütterndsten Bilder zusehen sind. Sie predigen, freilich in italiänischer Sprache,aber Blicke und Geberden dienen als Dolmetscher. Siefordern Buße und verkündigen Versöhnung. Schwärmerin Menge zerreißen nun ihre Kleider und schleppen inSack und Asche schwere Kreuze und eiserne Ketten daher.Sie zerfleischen sich mit Geißeln und Ruthen, die mitscharfen Spitzen versehen sind. Mitleiden waltet bei denEinen, Schrecken bei den Andern. Die Menge, vonzwanzig Stunden im Umkreise heranströmend, bildet Pro-zessionen. Wehe demjenigen, der gelacht hätte oder gleich-gültig dagestanden wäre! Die Angesehensten der Regie-rung sind die Ersten in der Reihe, mit bloßen Füßen,den Pilgerstab und den Rosenkranz in den Händen. DieFrauen und Töchter folgen, mit Stricken um den Hals,mit Dornenkronen in den Locken. Mehrere tragen ange-hängte Schädel, oder Gebeine im Munde. Der Regen,der in Strömen füllt, scheint ihnen ein Segenszeichenvom Himmel. Thränen, Seufzer, Zerknirschung siehtman überall, alle Auftritte werden nachgeahmt, die beider Kreuzigung stattfanden. Manche schlagen sich bis aufsBlut; selbst den Tod geben sich Wahnsinnige in der Ver-zweiflung^). Nicht den hundertsten Theil der Menge
68) Den Jesuiten Fulvius Fontana an seiner Spitze. Schon 1765war eine ähnliche Mission im Veltlin aufgetreten. Helvetia.
69) Je näher den Missionairen, je näher dem Himmel. Man schlugsich um dieselben. Kartenspiele, weltliche Bücher, weiblicherSchmuck wurden ins Feuer geworfen. Zwölf Kanonenschüsse be-gleiteten die Verkündigung des römischen Ablasses und Segens.