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I. I’hysiograpiiisehe Geologie.
Aus der Zunahme der Dichtigkeit der Erde gegen ihr Centrum, sowieaus dem Vergleiche zwischen den Meteoriten und den Gesteinen der Erdeschlossen Dana, Daubree u. a., daß das Erdinnere aus Metallmasscn, vor-züglich aus Eisen bestehen dürfte. Hierfür scheinen auch die großen Blöckevon gediegenem Eisen zu sprechen, welche, vom Basalte aus der Erd-tiefe mit hervorgebrachl, von Norde nskj öl d bei Ovifak an der Westküstevon Grönland gefunden wurden.
§ 1. Temperatur des Erdinneren. Glutflüssiger Erdkern. DieBeeinflussung der Temperatur unseres Planeten durch die von der Sonnekommenden Wärmestrahlen beschrankt sich auf die äußerste Oberfläche derErde und hört bereits in einer Tiefe von "20 bis 25 m vollständig auf. lndiesem Niveau herrscht, da sich hier selbst die jährlichen Wechsel in derEinwirkung der Sonne nicht mehr geltend machen können, eine jahrein,jahraus konstante Temperatur, und zwar ist dieselbe im allgemeinen dienämliche wie die mittlere Temperatur des an der Erdoberfläche vertikaldarüber gelegenen Punktes. So sind in den 29 m liefen Kellern des Pariser Observatoriums seil 1783 Thermometer aufgestcllt, welche konstant eineTemperatur von 11,7°C. zeigen.
Während die Wärme der äußersten Erdkruste eine fremde, von derSonne geborgte und von dieser abhängige ist, machen sich unterhalb derGrenze dieser Beeinflussung Temperaturverhältnisse in einer Weise gellend,daß man auf einen in der Tiefe der Erde selbst liegenden, also tellurischenWärmequell schließen muß. Von der Grenze der Einwirkung der Sonnen-wärme an findet nämlich, überall wo und so weit man bis jetzt in die Erd-rinde eingedrungen ist, nach der Tiefe zu eine stete Tempcralur-zunalime statt. Es herrscht also in den verschiedenen Niveaus derErdtiefe eine an jedem Punkte zwar konstante, aber in gleichem Schrittemit der Tiefe zunehmende Wärme. Dieser in geologischer Beziehung hoch-wichtige Satz findet seine Begründung in den Resultaten zahlreicher in Bohr-löchern, artesischen Brunnen und Bergwerken angestellten Beobachtungen.
Namentlich gab das Abteufen von Bohrlöchern, durch welche dieErforschung technisch nutzbarer Lagerstätten bezweckt wird, oder die zuartesischen Brunnen dienen sollen, Gelegenheit, genaue Temperatur-messungen des in konstatierten Tiefen hervorbrechenden Wassers vorzu-nehmen und aus diesen auf die Temperaturverhältnisse der durchbohrtenGesteinszonen selbst zu schließen. Diese Versuche liefern jedoch nur danndie gewünschten Resultate, also die wahre Temperatur der jeweilig er-reichten Erdtiefen, w enn durch besondere Vorrichtungen der Abschluß derin der Tiefe des Bohrloches stehenden Wassersäule ermöglicht und dadurchverhindert wird, daß kalte und deshalb schwerere Wasser einen Teil desder erreichten Tiefe entquellenden wärmeren Wassers verdrängen und so