Buch 
Elemente der Geologie / Hermann Credner
Entstehung
Seite
15
JPEG-Download
 

I. Physiographische Geologie. 15

so ist die Ähnlichkeit derselben mit der des heutigen Afrikas nicht zuverkennen.

Die homologe Gestalt Afrikas , Amerikas und Grönlands bedingt unteranderem auch die doppelt gebogene Windung des atlantischen Ozeanthaiesund seine Verzweigung in einen nordwestlichen und einen nordöstlichenArm, die Davisstraße und die Meeresstrecke zwischen den parallelenKüsten von Grönland und Norwegen . Eine weitere Folge des nach Ndivergierenden Verlaufes der für die Konturen der Kontinente maßgebendenNO- und SW-Linien ist die ungleiche Verteilung von Wasser und Land aufder nördlichen und südlichen Halbkugel, die Anhäufung des Festlandes andem Nordpol , seine hornförmige Ausspilzung nach S zu und die Ansamm-lung der Gewässer an dem Südpol .

§ 9. Absolute und relative Höhe des Bodenreliefs. I)a der Meeres-spiegel die ellipsoidische, fast kugelige Gestalt der Erde am reinsten dar-stellt, und von allen Unebenheiten der vertikalen Konturen der festenErdkruste unberührt bleibt, so liefert er einen Vergleichshorizont,der als Nullpunkt der Skala auf- und abwärts zur Messung und Ver-gleichung der Ilervorragungen und Einsenkungen der Erdrinde dient undnach dem wir somit alle Höhenwerte ermitteln.

Die in einem bestimmten Maße ausgedrückte Höhe irgend einesPunktes über dem Meeresspiegel bezeichnet man als seine absoluteHöhe, abstrahiert man davon, den Ausgangspunkt der Vergleichungin dem Niveau des Meeres zu suchen, vergleicht man vielmehr Höhen-punkte der Erdoberfläche untereinander, so erhält man deren Höhenunter-schied oder deren relative Höhe. Da nun aber nur ein Teil der Erd-oberfläche üb e r dem Meeresspiegel, ein anderer hingegen unter demselbenliegt, bei Höhenmessungen aber beide auf ein und dasselbe Niveau bezogenwerden, so bezeichnet man die absolute Höhe der ersteren als -f-, die derletzteren als. Die größte absolute Höhe der Erdoberfläche besitztder Mt. Everest im Ilimalaya mit + 8839 m, die geringste sicher be-kannte absolute Höhe (also die grüßte Tiefe des Meeres) im Großen Ozeaneist 8513 m, und endlich der tiefste Punkt des Festlandes, am TotenMeere , 392 m. Auf dem Fcstlande beträgt demnach der größte Niveau-unterschied 9231 in, eine Höhendifferenz, welche noch immer verschwin-dend klein ist, wenn sie mit dem Erddurchmesser verglichen wird, welcherUber 6 375 000 m beträgt. Man hat deshalb mit Recht die Unebenheitenauf der Oberfläche der Erde, wenn man letztere mit einem Ei verglich, mitden Rauhigkeiten auf der Schale desselben in Parallele gestellt.

Ein wichtiges Element bei Bestimmung der Reliefformen eines Kon-tinentes oder eines Teiles desselben ist seine mittlere Höhe, d. h. die-jenige Höhe, welche er in seiner ganzen Ausdehnung haben würde, wenn