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II. Petrograplüsche Geologie.
23. Steinkohle (Scluvarzkolde).
Die Steinkohle ist eine dichte, im Bruche meist muschelige, fettgläu-zende, sammet- bis pechschwarze Kohlenmasse mit 75 bis 90 Prozent Koh-lenstoff und geringerem Bitumengehalte als Braunkohle. Sie giebt einenbraun- oder grauschwarzen Strich, verbrennt mit heller Flamme unterEntwickelung von starkem Rauche und aromatisch-bituminösem Gerüche.Einige Varietäten weichen in der llitze auf und schmelzen (Backkohle),andere sintern nur zusammen (Sinterkohle), noch andere zerbröckeln inder Hitze und hinterlassen zum Teil einen erdigen, lockeren Rückstand(Sandkohle). Kalilauge wird von Steinkohle nur wenig oder gar nichtbraun gefärbt.
In der Steinkohle ist die organische Struktur der Pflanzen, aus wel-chen sie entstanden ist, durch und durch in erkennbaren Formen erhalten,so die holzigen Gefäßbündel von Coniferenstämmen, Farnstrünken, Sigil-larien, Calamiten und Lepidodendren, wodurch ihre Abstammung über alleZweifel erhaben ist. Die in kohlige Substanz verwandelten Pflanzenteilesind imprägniert von einer ulmin- oder huminartigen Masse, wodurch dasGanze amorph und scheinbar strukturlos erscheint (Gümb el).
In petrographischer Hinsicht sind folgende Varietäten zu unterscheiden:Pech- oder Glanzkohle mit muscheligem, starkglänzendem Rruche,Grobkohle mit unebenem, grobkörnigem Bruche, SchieferkohleinitSchieferstruktur, Kännelkohle mit flachmuscheligem, wachsglänzendemBruche, Rußkohle, lockere Masse mit erdigem Bruche, Faserkohle mitFaserstruktur.
In technischer Hinsicht pflegt man fette, kohlenstoffärmere, an Bi-tumen reiche, und magere, kohlenstoffreichere und bitumenarme Kohlenzu unterscheiden.
Als häufigere zufällige Gemengteile der Steinkohle sind Schwefelkies,Bleiglanz und Kalkspath anzuführen. Wie die Braunkohlen treten auch dieSteinkohlen in Flötzen auf, die sich über Hunderte von Quadratmeilen aus-dehnen (in Nordamerika ) und 15, 20 und mehr Meter Mächtigkeit erreichenkönnen. So ist das tiefe Pianitzer Flötz im Zwickauer Bassin 7 bis 15, dasRußkohlenflölz ebendort 10, das Xaveriflötz in Oberschlesien 13 m mächtig.Die Steinkohlen wechsellagern mit Schiefertlionen und Sandsteinen undbilden im Verein mit diesen die produktive Steinkohlenformation. Jedochist das Vorkommen der Steinkohle nicht auf diesen Schichtenkomplex be-schränkt, vielmehr sind sowohl in älteren, wie in jüngeren Formationen(Devon , Wealden) einzelne Steinkohlenflötze bekannt.
24. Anthracit.
Der Anthracit ist eine eisen- bis sammetsclnvarze, stark glas- bis halb-metalliscli glänzende, spröde Kohlenmasse, mit über 90 Prozent Kohlenstoff,in welcher sich ebenfalls Pflanzengewebe nachw eisen läßt. Im Feuer ver-