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Elemente der Geologie / Hermann Credner
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V. Architektonische Geologie.

oder bewirkt haben, auf das untrennbarste mit der Geschichte jeder For-mation und der von ihnen gebildeten Territorien verwachsen. Die wich-tigsten und lehrreichsten Mineralgangvorkommen werden deshalb in denKapiteln über Formationslehre etwas eingehendere Erwähnung finden.

§ 13. Tektonisches Verhältnis der Mineralgänge zu ihrem Neben-gesteine. Als Ausfüllungen von Spalten besitzen die Mineralgänge durch-greifende Lagerung. Das Gestein, in welchem ein Mineralgang aufsetzt,heißt sein Nebengestein. Von diesem ist die Gangmasse entweder bloßdurch eine Ablösungskluft, das Salband, oder eine sehr schmale Thon-lage, den Besteg getrennt, kann aber auch mit demselben fest verbunden,angewachsen sein. Die Salbänder sind zum Teil rauh und uneben, zumTeil bilden sie glatte, bisweilen selbst spiegelige Flächen, welche oftmalsin der Richtung des Fallens des Ganges , mitunter auch in einer andernRichtung, sogar horizontal, gestreift und gefurcht sind (Harnisch, Spie-gel), eine Erscheinung, deren Ursprung in Senkungen und Rutschungen,bei horizontaler Streifung durch seitliche Bewegungen der durch die Spal-ten außer Zusammenhang gesetzten Gesteinsmassen zu suchen ist.

Wie bei anderen Gebirgsgliedern unterscheidet man auch bei Mineral-gängen Hangendes und Liegendes, Streichen, Fallen und Mächtigkeit, Be-griffe, welche bereits früher ihre Besprechung erfahren haben.

Die Andauer der Mineralgänge im Streichen ist eine sehr verschie-dene, von kurzen Schnürchen, welche die Gesteine durchziehen, bis zumeilenweit sich erstreckenden Gängen sind alle Längendimensionen vertre-ten. Ebenso kann ihre Streichungsrichtung bald geradlinig, bald bogen-oder hakenförmig sein, und gleichem Wechsel ist der Fallw inkel unterwor-fen. Nach der Größe des letzteren unterscheidet man wohl sch w T eben deGänge mit einem Fallwinkel von Obis 15°, flache Gänge mit einem sol-chen von 15 bis 45°, tonnlägige Gänge mit einem solchen von 45bis75°,steile Gänge von 75 bis 90° und endlich saigere Gänge von 90°Fallen.

Auch mit Bezug auf die Mächtigkeit herrscht bei den Mineralgängen diegrößte Verschiedenheit, sodaß sie sich zwischen papierdünnen Klüftchen(Tellurklüfte von Offenbanya in Siebenbürgen ) und stellenweise 50 bis 60mmächtigen Gärigen (Bleiglanzgänge von Clausthal im Oberharz ) bewegen.An einem und demselben Mineralgange wechselt die Mächtigkeit sowohl imStreichen als auch im Fallen (er verdrückt sich und thut sich wiederauf), nimmt zum Teil nach der Tiefe zu, zum Teil aber auch ab, steht baldin geradem, bald in ungekehrtem Verhältnisse zur Erzführung, sodaß sichdiese mit dem Mächtigerwerden des Ganges bald vermehrt, bald vermin-dert, lauter Erscheinungen, welche zwar in bestimmten Gangdistrikteneiner gewissen Gesetzmäßigkeit unterworfen sind, aber keine Verall-gemeinerung gestatten.

Häufig teilen sich die Mineralgänge in ihrer Streichungs- oder Fallrich-