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Elemente der Geologie / Hermann Credner
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VI. Historische Geologie.

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wärme der Erde beginnen sich infolge ungleich intensiver Sonnenbestrah-lung klimatische Verschiedenheiten bemerkbar zu machen, undjetzt erst ist die Möglichkeit gegeben, daß das Wasser auch in seinen festenZustand übergehen, also Eis bilden und dadurch ein neues geologischesWerkzeug liefern kann, ln dem Entwickelungsprozesse der Erde geselltsich demnach ein geologisches Agens nach dem anderen zu den bereitsfrüher thätigen, die ebenso zahlreichen wüe verschiedenartigen Äuße-rungen derselben summieren sich, die Mannigfaltigkeit der tellurischenVerhältnisse nimmt zu, je länger diese Summierung andauert, in jederjüngeren Periode herrscht eine größere und in der Jetztzeit die größteMannigfaltigkeit in der Erdgestaltung.

Nun ist aber das organische Leben abhängig von der Beeinflussung vonseiten der umgebenden anorganischen Welt, es ist der Ausdruck derVerhältnisse, in deren Sphäre es sich entwickelte. Die allmähliche Umge-staltung der tellurischen Erscheinungen spiegelt sich deshalb wüeder in derUmprägung des Gesamthabitus der Floren und Faunen, welche unter ihremEinflüsse gediehen. Wie die Gestaltung der Erdoberfläche selbst, so wurdeauch der Gesamtcharakter der Flrdbewohner durch Summierung dieserEinflüsse im Laufe der Zeitalter ein abwechselungsreicherer. Diese größereMannigfaltigkeit, zu welcher das anfänglich einfache organische Leben ingleichem Schritte mit der Herausbildung des Erdballes heranreifte, äußertesich einerseits in Vermehrung der Zahl, andererseits in der stufenweise an-steigenden Entwickelung der organischen Formen, und gipfelte sich in demReichtume und der Vollkommenheit der Jetztwelt.

Es ist nicht auffällig, daß die ortsgefesselten Landpflanzen dieserfortschrittlichen Umgestaltung in erster Linie unterwarfen gewesen sind,während sich dieselbe in der Tierwelt jedesmal erst einige Zeit späteroffenbarte.*) So besitzt die oberpermische Flora von Fünfkirchen bereitseinen mesozoischen, die gleichalterige Zechsteinfauna aber noch einen echtpaläozoischen Charakter, die Flora des Rhät, also der obersten Trias, bereitsbasischen Habitus, und diejenigen der oberen Kreide durch ihre Dikotyle-donen bereits Ähnlichkeit mit dem Tertiär; endlich fällt der wuchtigsteWendepunkt in der Geschichte der w iener tertiären Pflanzemvelt nicht wiebei der Landfauna zwischen die Kongerienschichten, sondern bereitszwischen die erste und zweite Mediterranstufe.

§>. Darwins Transmutationstheorie. Die auf den letzten Seitenbetonte Thatsache der allmählichen Umgestaltung und Vervollkommnungdes irdischen organischen Lebens im Laufe der geologischen Zeiträume undin demselben Schritte, in welchem die Gliederung der Erdoberfläche an

*) E. Weiß. Zeitschr. <1. Deutsch, geol. Gesellseh. 1877. S. 252. Neues Jahrb.1878. S. 180.

Credner, Elemente d. Geologie. 5. Aufl.

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