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Höchst auffällig ist jedoch das Vorkommen jurassischer Gesteine und Fos-silien in der sächsisch-böhmischen Schweiz und der südlichenLausitz, wo sie auf der Grenze zwischen der Kreide (Quadersandstein) unddem Granite des Lausitzer Gebirges in überkippter Stellung auftreten*).
Wahrscheinlich nur als äußerster Vorposten des oberschlesisch-poln:-schen Juragebietes sind die isolirten Juravorkommen an den Odermün-dungen zu betrachten**). Es sind dies zum Teil zwar nur kleinere undgrößere Blöcke, die dem Diluvium eingebettet sind und noch weiter vonNorden stammen, zum Teil aber auch noch fest anstehende Gesteinsmassen,deren untere Niveaus dem Dogger, deren obere Horizonte dem weißen Juraangehören. Erstere haben eine große Ähnlichkeit mit dem oberschlesischen.
letztere eine solche mit dem hanno-verschen Jura und repräsentierenden oberen Coral rag Römer’s (alsoden oberen Oxford, namentlich dieSchichten mit Pecten varians), sowiedie Pteroceras-Schichten der Kim-
meridge-Gruppe. Durch ein beiCammin bis zu 300 m Tiefe nieder-
gebrachles Bohrloch wurde unter dem Dogger der Lias und zwar bis in deneinige schwache Kohlenflötzchen führenden mittleren Lias durchbohrt.
Auch bei Colberg in Pommern und bei Inowraclaw***), sowiesüdlich von Thorn tritt oberer Jura isoliert im Bereiche des Diluviums auf.Ebenso steht auch in der Gegend von Stralsund unweit Grimmen Juraan. Nach Berendtf) besteht derselbe aus hellblauen Thonen mit flach-kugeligen Kalksteinkonkretionen, welche Ammoniten aus der Gruppe derFalciferen (Harpoceras) und zwar solche des obersten Lias und des unterenDoggers führen. Der Jura von Grimmen repräsentiert somit eine Grenz-bildung dieser beiden Formationen. Endlich sind bei Dobbertin inMecklenburg anstehende Schichten des obersten Lias aufgeschlossenworden, welche sich durch ihren Reichtum an wohlerhaltenen Insekten-resten auszeiehnen. -ff)
In Rußland gewinnt die Juraformation und zwar der obere Doggerund der Malm eine ansehnliche Verbreitung und dehnt sich namentlich in-nerhalb des paläozoischen Bassins von Moskau über weite Strecken aus. In
*) 0. Lenz. Zeitschr. f. d. 'ges. Naturw. 1870. Mai. I. S. 337. — G. Bruder.Sitzber. d. Wien . Akad. Bd. 83. I. 1881. S. 47 u. Bd. 85. I. 1882.
**) A. Sadebeck. Zeitschr. d. Deutsch , geol. Gesellsch. 1865 S. 651.
***) Runge. Zeitschr. d. Deutsch , geol. Gesellsch. 1870. S. 44.
f) Zeitschr. d. Deutsch , geol. Gesellsch. 1874. S. 823.
Hl Eug. Geinitz, ebend. 1880. S. 510, u. Die Flötzformationen Mecklenburgs.Güstrow 1883. S. 27.