ENTARTUNG UND GENIE.
wie eine Sammlung von Anekdoten oder wunder-lichen Märchen, ohne sich um die Schlussfolgerungenzu kümmern, zu denen es gelangte. Die Zeit unddie Menschen haben mir schliesslich Gerechtigkeitwiderfahren lassen. Psychiater und Literaten habenparallel mit mir zu arbeiten angefangen, wie Nisbetund Havelock Ellis in England, Richet in Frankreich ,Magalhaes in Portugal , Frau Tetuschew in Russland ,Radestock in Deutschland , Ramos Mkja in Süd-Ame rika , Tebaldi, Amadei und Pilo in Italien . All dieseArbeiten überragt das Werk Nordau's , Entartung, worinzum ersten Mal meine Methode kraftvoll auf die Kritikder modernen Kunst und Literatur angewendet wordenist. Aber wichtiger für meine Arbeit war noch,dass sich endlich ernsthafte Kritiker gefunden haben,die durch ihre Angriffe meinen Ideen zur Verbreitungund zur Discussion verholfen haben. So Morselli,Tamburini, Tanzi, ferner Ellero und Bianchi in ihrerSammelschrift Patologia del Genio. Ferner gehörenhierherdieStudien von Parlegreco über Michel Angelo,von G. Branca über Raphael, von Magri über Guido Reni , von Fardel über Dante , von Valmaggi überVirgil, von De Vogüe über Dostojewskij . Im Lichtedieser Kritik wurden die Einzelheiten des Problemsimmer deutlicher und der Antrieb zu neuen Studienauf diesem Gebiet regte sich immer kräftiger in mir;so entstanden allmählich meine Forschungen überdie Physiognomie, das Gesichtsfeld, die Psychometrie,die Sehschärfe, über die Schrift, die Erschöpfung unddie Epilepsie bei genialen Menschen. Ferner überdie Bedeutung der Phagocytose, über die Bezie-hungen zum Geschlecht, zur Rasse, zur Gestaltungund geologischen Structur des Bodens, zu den öko-nomischen, socialen und Unterrichtsverhältnissen.Dazu kamen ferner Beobachtungen über die atavisti-sche Herkunft der Frühreife des Genies, über seineUnbesonnenheiten und Verirrungen, und über die