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ENTARTUNG UNI) GENIE.
Dann wieder glaubte er, Gott liessc ihn alt werden,nur damit er den Dom von St. Peter vollendenkönne.
Seine Leitung der Verthcidigung von Florenz i. J. 1529 zeigt ihn in einem Aufschwung von Patrio-tismus und bewunderungswürdigem Muth, zumal wennman bedenkt, dass es seinem grübelnden Sinn alsfrech und undankbar hätte erscheinen können, dieNachkommen der grossen Medicäer zu bekämpfen,nachdem er als Jüngling zu Florenz im Hause der-selben gelebt und in Rom die Freundschaft vonLeo X. und Clemens VII. besessen hatte. Vonihm stammt das furchtbare Distichon gegen dieTyrannei der Medicäer:
O lasst im Schlaf, versteinert, mich vergessen
Jammer und Schande, die nicht enden wollen!
Wenn man alles das wohl begreifen kann, wiesoll man cs vereinbaren, dass er erst dem HerzogAlexander die gewünschten Pläne zu einem Fe-stungsthurm verweigert, um die herrschende Familienicht in ihrer Tyrannenstellung zu befestigen, unddass er kurz darauf, 1529, aus der Stadt flieht,zu einer Zeit, wo alle Florentiner, bis zum be-scheidensten Bürger herab, von Patriotismus glühten ?Ebenso unbegreiflich ist seine Antwort an denHerzog Cosmus I., als dieser das unter der Be-zeichnung »la polverina« bekannte ungerechte Gesetzgegen die Emigrirten erliess: »Ich habe mich bisjetzt gehütet, mit Emigrirten umzugehen, in Zukunftwerde ich mich noch mehr davor hüten.« Schliesslichglaubt er Unrecht gethan zu haben, als er die Gast-freundschaft der Riccio’s im Palast Strozzi genoss,und lohnt eine so hochherzige Handlung mit niedrigerUndankbarkeit ; er erklärt in seinem Brief an Cosimo,nur aus Höflichkeit hätte er bisher die Griisse Emi-grirtcr erwidert: »Hätte ich geahnt, was für Menschen