El.VWAN'DE GEGEX DIE THEORIE DER GE.VIAEITÄT. 27
diese Emigrirten sind, würde ich sie völlig ignorirthaben.«
Während er sein Leben lang kaum je gezeigthatte, dass er auf seine künstlerischen Leistungenstolz war und immer bescheiden von ihnen gesprochenhatte, beschäftigte er sich im hohen Alter damit,mit seiner angeblich adligen Herkunft zu prahlen undseine Abkunft von den Grafen von Canossa zu be-haupten, was, falls es wahr wäre, doch nicht einenFingernagel seines Moses aufwöge. 1546 schrieb eran seinen Neffen Leonardo: »Ich muss ein stattlichesHaus, nahe dem Centrum der Stadt kaufen, dennkein Reichthum fällt so in die Augen, wie das Haus,das man bewohnt, und wir sind doch Bürger vor-nehmster Abkunft«.
Miciiel Angelo liebte seine Familie zärtlich undverschaffte seinem Vater, den Brüdern und Neffeneinen höchst behaglichen Wohlstand; aber seineBriefe an diese Verwandten athmen massloses Miss-trauen, beständigen Verdacht. Immer wieder be-handelt er sic ungerecht und verlangt von ihnen,die doch nur ganz vulgäre, habsüchtige Menschenwaren, Wunder von Delicatesse und Gemiithstiefe.Am Widcrspruchvollstcn zeigt er sich in Geldsachen;alle Augenblicke macht er seinen Brüdern bittere Vor-würfe wegen ihrer Forderungen, um ihnen dannregelmässig noch mehr zu geben, als sie selbst ver-langt hatten.
1544 verfiel er in Rom in eine schwere Krank-heit; natürlich erschien sein Neffe, um ihn zu pflegen,aber er gerieth in die grösste Entrüstung und schriebihm: »Du bist nur gekommen, um meinen Tod zubeschleunigen und zu sehen, ob ich Dir nichts hinter-lasse. Hast Du denn nicht an dem genug, was ichin Florenz besitze? Du kannst nicht leugnen, dassDu Deinem Vater ähnlich bist, der mich in Florenz aus meinem eigenen Hause jagte. Merke Dir, es ist