Buch 
Entartung und Genie : neue Studien / von Cesare Lombroso ; gesammelt und unter Mitwirkung des Verfassers Deutsch Herausgegeben von Dr. Hans Kurella
Entstehung
Seite
288
JPEG-Download
 

288

ENTARTUNG UND GENIE.

gierungen spielt, der mit unvergleichlicher Geschick-lichkeit und Brutalität Menschen auszunutzen verstehtund sich in der Wahl seiner Mittel und seiner Zieleimmer gleich bleibt; der grösste Künstler der Ver-führung, Corruption und Einschüchterung, liebens-würdig und fürchterlich zugleich, ähnlich einemwilden, reissenden Raubthiere, das plötzlich auf eineHeerde friedlicher Wiederkäuer losgelassen wird.«

»Selbst bei einem Malatesta, einem Borgia findenwir kein so impulsives Gehirn, das solcher electrischcnLadungen und Entladungen fähig gewesen wäre, indem unaufhörlich so gefährliche Stürme getobt hätten,von so unwiderstehlicher Gewalt. Bei ihm konntekein Gedanke in dem reinen Stadium der Spcculationbleiben, jede Idee strebte nach sofortiger Umsetzungin That und musste mit Gewalt unterdrückt und zu-rückgehalten werden, was ihm jedoch, wie wir obengesagt haben, nicht immer gelang. Geist und Ge-müth sind bei ihm immer zum Ueberlaufen voll vonGefühlen und Gedanken und unter ihrem Antriebetritt der Improvisator, der Polemiker an Stelle desGeschäftsmannes und des Statistikers.«

Bei der ungeheuren Reizbarkeit seines Nerven-systems macht sich die durch aufgehäufte Eindrückehervorgerufene Spannung oft in physischen Convul-sionen Luft. Napoleon weinte oft und zwar nichtaus echter, eigentlicher seelischer Sensibilität, son-dern »weil ein Wort, ein einfacher Gedanke ihmwie ein Dorn ins lebendige Fleisch geht«. Ofttreten nach Erbrechen oder Ohnmachtsanfällen Zu-stände . von Zerstreutheit auf, die nicht selten vonernsten Folgen begleitet waren; wie z. B. dem Ver-lust der Leiche General Vandammes , nach der Schlachtbei Dresden . So dauerhaft auch das Uhrwerk ge-baut schien, von Zeit zu Zeit gerieth es in Gefahr,aus dem Gleichgewicht zu kommen. -

Um so lebhafte und so mannigfaltige Leiden-