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ENTARTUNG UNI) GENIE.
Schon vor mehreren Jahren ist Roux * *) zu dem Re-sultate gelangt, dass alle einzelnen innerhalb einesOrganismus zusammenlebenden Zellen untereinanderin einem beständigen Kampfe liegen, um sich ernährenund nebeneinander existiren zu können. Wie Pflan-zen, die auf engem Raume dicht nebeneinander stehen,bekämpfen und schädigen benachbarte Zellen einan-der. Zellen, die kraft ihrer besonderen Eigenthüm-lichkeiten befähigt sind, sich eine grössere Mengevon Nährstoffen aus der Säftemasse anzueignen, tragenden Sieg über schwächere davon. Diese Concurrenzführt dazu, dass der Organismus schliesslich nur ausden kräftigsten Elementar-Organismen (Zellen) be-steht und so durch die Concurrenz eine Kräftigungerfährt; je lebhafter der Kampf, um so augenfälligerdie Kräftigung.
Dieser Kampf unter den Zellen bildet die Vor-bereitung zum Kampfe zwischen den einzelnen Indi-viduen einer Species, d. h. zu dem DaseinskämpfeDarwin’s im engeren Sinne.
Nach Roux’s Beobachtungen bemächtigen sich diereizbarsten Zellen auch am leichtesten des Nähr-materials und sind somit am besten für die Ver-drängung concurrirender Zellen ausgerüstet. Ihregesteigerte Reizbarkeit bedingt zugleich, dass sie all-mählich eine grössere Functionstüchtigkeit erwerben.
Die neuesten Untersuchungen über diese Processe,besonders die von Metschnikow , *) haben den Mecha-nismus dieses Kampfes offen gelegt: Bei der Majoritätder thierischen Organismen findet sich eine Kategorievon Zellen, die den einfachsten Lebewesen, denAmöben, ähneln und feste Theilchcn in sich auf-nehmen, »fressen« können. Diese »Phagocyten« (d. h.