150
HESTIA IN DEN HOMERISCHEN HYMNEN.
Aber dieselben sind gleichwohl hier für uns von hohemWerthe, weil sie die ältesten Überlieferungen der Ansätzezur Bildung von Mythen über Hestia enthalten.
Hestia ist im Hymnos an Aphrodite wie in dem anHermes und Hestia sicher zugleich die Göttin des Herdes:mitten im Hause sitzt sie, Fett empfangend.
Darin liegt unstreitig die Vorstellung vom Herd in-mitten jedes Hauses. Der Hymnos an Aphrodite führt abersofort auf den Herd als Altar, das Herdfeuer als Opferfeuer,indem er beifügt: naaiv «T iv vrpiai &ewv zi/uäo%6s san, währendan ihre Vorehre bei Opfern der daran sich reihende Verserinnert: xal Ttaqa naoi ßQoxoiai d-ecüv nqkaßsiqa tetvxTcu. 1
Etwas anders verhält es sich mit dem Hymnos an dieGöttin selbst. 2 Hier wird ihr ewiger Sitz in den Häusernder Menschen unmittelbar zusammengenannt mit dem in denWohnungen der unsterblichen Götter. Während nun derHymnos an Aphrodite bestimmt von den Tempeln spricht,könnte der Ausdruck des Hymnos an Hestia selbst auchvon den eigenen Wohnungen der Götter im Unterschied vondenen, welche die Menschen denselben in ihren Tempelnerbauen, verstanden werden wollen. Dann wäre hier blossvom Herd die Rede, um so mehr als die folgenden Verse,welche freilich, wie wir sahen, verdächtig ungeschickt ange-knüpft sind, ihr die erste und letzte Spende gerade bei allenMahlzeiten zutheilen. Allein an sich schon ist der Ausdruckschwer anders zu verstehen, als von den Tempeln und er istjedesfalls nach der Analogie des Hymnos an Aphrodite zuerklären.
Nicht viel besser als mit den ersten Versen des Hymnos,welche an Hestia allein gerichtet sind, sieht es in kritischerHinsicht mit denen aus, in welchen sie, nachdem der Hymnoszunächst auch an Hermes allein sich gewendet hat, mitdiesem zusammen angerufen wird. Sie lauten:
1 S. o. S. 3.
» S. o. S. 3.