XI.
Schon oben sind uns aus anderem Anlass Mythen auf-gestossen, nach denen Vesta mit wunderbarer Kraft, die sienicht bloss in ihrem Feuer, 1 sondern auch im Wasser be-tätigt, 2 unschuldig verfolgten Dienerinnen beisteht.
Ja einmal schritt sie auch, da die Stadt bedroht war,durch eine aus ihrem Hain erschallende Stimme, die vordem gallischen Einbruch warnte und Mauern und Thorewiederherzustellen ermahnte, unmittelbar zur Rettung ihrerin ihrem Bestand bedrohten Stadt ein. 3 Allerdings wirdnicht ihr dafür gedankt; es wird vielmehr Ajus Locutius einAltar errichtet. 4 Allein bedeutungslos ist es sicher nicht,dass der Ton »e luco Vestae« erschallte. Um so merkwür-diger ist, dass Ajus Locutius ohne Zweifel nur eine vomGrundbegriff des Faunus (nach römischer Weise, die Eigen-schaften grosser Götter auch wieder als selbständige Götterzu verehren ) 5 abgelöste Schöpfung ist. 6 Denn Faunus giltsonst vorzugsweise als der Urheber solcher in unheimlichem
*
1 S. o. S. 294 A. 3.
2 S. o. S. 294 A. 2.
3 Yarro bei Gell. XYI, 17, 2; Cic. de div. I, 45, 101; Liv. V, 32;50; 52. Plut. Cam. 14; 30; de fort. Rom . 5; Zonar. VII, 23. S. o.die A. auf S. 260 f.
4 S. d. angef. Stellen.
5 S. u.
* Vgl. Hartung, r. Relig. II S. 184; Ambrosch, Religionsbücher d.R. S. 44; Schwegler, r. G. III S. 239 A. 1.