344 BISHERIGE BEHANDLUNG DER R. SAGEN GESCHICHTE.
Waldesdunkel erschallenden Stimmen, 1 in welchen der mythi-sche Ausdruck für die Wirkung des Waldesrauschens auf dasGemüth erkannt werden muss.
Die Mythen von dem Einschreiten Vestas zu Gunstenihrer Stadt und ihrer Dienerinnen charakterisieren sich vonvornherein theils als solche, die in Anlehnung an wirklicheGeschichte entstanden sind, theils als Mythen aetiologischerNatur, sofern die beiden letzteren den engen Connex zwischender Keuschheit der Vestalinnen und der Reinheit und Unver-sehrtheit ihres Dienstes, an dem das Wohl des Staates hängt,versinnbildlichen.
Einen weit alterthümlicheren Charakter trägt noch ab-gesehen von der ovidischen Fabel, welche des angeblichenPriapus Angriff auf Vesta schildert, 2 die Sage von der Geburtdes Servius aus dem Hausherd, tragen manche Züge auchin der Sage von Romulus , dessen Mutter in der gangbarenVersion Vestalin heisst, und weit alterthtimlicher sind viel-leicht diese Gründungssagen überhaupt in ihrer ursprüng-lichen Gestalt.
BISHERIGE BEHANDLUNG DER ROEMISCHENSAGENGESCHICHTE.
Besonders der Umstand also, dass die römische Grün-dungssage eine Vestalin zur Mutter von Romulus und Remus macht, dass Servius ein Sohn des Laren des Königs-hauses heisst, erzeugt durch einen Funken, der vom Haus-herd in den Schooss der königlichen Sclavin Ocrisia sprang,gibt uns Anlass in das Würrsal der römischen Sagengeschichteeinzudringen.
Es ist darüber schon vieles und bedeutendes geschrieben,aber zu einer richtigen und erschöpfenden Behandlung der-selben sind doch erst Ansätze gemacht worden.
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1 Vgl. Schwegler r. G. I S. 233 A. 31; III S. 47 A. 3.
a S. o. S. 338»
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