Fünfzehntes Kapitel.
123
Theile der letzteren, nämlich der Lehre von den gleichförmigenBewegungen. Die Wichtigkeit der Eintheilung erhellt aus derGeschichte der Entwickelung des menschlichen Geistes. Die Altenhatten allerdings die Begriffe über das Gleichgewicht, so-wohl bei festen, wie bei den flüssigen Körpern gewonnen, wie dieschönen Untersuchungen von Archimedes ergeben; aber die Dy-namik kannten sie nicht, deren moderne Schöpfung man Galilei verdankt.
Demnächst besteht die wichtigste weitere Eintheilung in derTrennung des Festen von dem Flüssigen, sowohl bei der Statik,wie bei der Dyna mik . Ich stelle, nach der Methode von Lagrange,diese Eintheilung unter die vorgehende. Man hat deren Einflussin den gewöhnlichen Abhandlungen über die Mechanik übertrieben.Die Prinzipien der Statik und Dynamik sind in Wahrheit dieselbenfür die festen und für die flüssigen Körper; nur erfordern letztereeine weitere Berücksichtigung der Veränderlichkeit der Gestalt,welche che Untersuchungen erheblich erschwert, da die Selbst-ständigkeit der Moleküle bei dem Flüssigen zur getrennten Be-trachtung der einzelnen Moleküle nöthigt, wobei man immer einSystem vor Augen haben muss, was sich aus einer unendlichenMenge von einzelnen Kräften zusammensetzt. Die allgemeineLösung der statischen Fragen ist in diesem Falle wenig vorge-schritten, selbst wenn man nur die Schwere in Betracht zieht; abernoch schlimmer ist es bei der Dynamik, wo man die Schwierigkeitselbst bei dem einfachen Fall einer nur durch die Schwere be-wegten Flüssigkeit nur mit Hülfe einer sehr zweifelhaften Hypo-these überwinden kann, wie die des Daniel Bernouilli überden Parallelismus der Schnitte, da sie die wirklichen Vorgänge ver-ändert. Somit sind die Statik und mehr noch die Dynamik desFlüssigen weniger vorgeschritten, als die übrigen Zweige beiderW issenschaften.
Die Definitionen des Festen und des Flüssigen sind in derwissenschaftlichen Mechanik nur eine übertriebene und deshalb un-zuverlässige Auffassung der Wirklichkeit; denn die Moleküle desFlüssigen sind nicht in dem Zustand der Unabhängigkeit, inwelchem wir sie annehmen müssen, vielmehr beruhen viele natür-liche Vorgänge auf der gegenseitigen Adhäsion der Moleküle des