Sechszehntes Kapitel.
125
für das Gleichgewicht zweier Gewichte fest, welche an den beidenEnden eines geraden Hebels aufzuhängen sind, und zeigte, dass■diese Gewichte sich umgekehrt wie ihre Entfernungen von demUnterstützungspunkt des Hebels verhalten müssen. Er bemühtesich dann auf dieses Prinzip die Ermittelung des Gleichgewichtsfür andere Verhältnisse zwischen verschiedenen Verbindungenvon Kräften zurückzuführen. Für die Statik des Flüssigen stellteer sein berühmtes Prinzip auf und leitete daraus die Lehre vonder Lage der schwimmenden Körper für eine grosse Zahl vonFällen ab. Allein das Prinzip des Hebels war nicht hinlänglichallgemein, und trotz sinnreicher Versuche hat man doch nur dieSysteme von parallelen Kräften darauf zurückführen können. Unterden Versuchen, die zusammenwirkenden Kräfte darauf zurückzuführen,ist bemerkenswerth das Gleichgewicht eines Systems von zweiGewichten, welche sich auf zwei mit den Rücken an einanderstossenden schiefen Ebenen befinden. Dieser Gedanke, den manStevin verdankt, hätte vielleicht die Lücke ausgefüllt, daStevin daraus das Gleichgewicht von drei zusammentretendenKräften für den Fall abgeleitet hatte, wo zwei dieser Kräfte imrechten Winkel auf einander wirken; vielleicht hätte er sogarbemerkt, dass sie sich zu einander wie die drei Seiten eines Drei-ecks verhalten, dessen Winkel den Winkeln gleich sind, welchediese Kräfte mit einander bilden. Da indess zu gleicher Zeit Ga-lilei die Dynamik begründet hatte, so verliess man den alten Wegund suchte die Bedingungen des Gleichgewichts nunmehr nach denueuerkannten Gesetzen über die Verbindung der Kräfte. Aufdiesem Wege war es, dass Varignon die Gesetze des Gleich-gewichts für jede beliebige Verbindung auf einander wirkenderKräften entdeckte, und später d’Alembert die Verbindung einesbeliebigen Systems von Kräften, welche an verschiedenen Punkten«mes festen Körpers von unveränderlicher Gestalt angebracht sind.
Diese heut zu Tage am meisten angewendete Methode scheintWeniger vernünftig, weil es philosophischer wäre, wenn man dieDynamik auf die Statik zurückführte, wie man diese seitdem erreichthat. Indess muss man anerkennen, dass für Behandlung derStatik als eines besonderen Falles der Dynamik die Lehre von dengleichförmigen Bewegungen hinreicht.