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Sechszehntes Kapitel.
Um die philosophische Auffassung der Statik zu vervollstän-digen, muss ich noch eines Gedankens von Poinsot erwähnen,welchen ich als den grössten Fortschritt seit dem Vorschlag La-grange’s ansehe. Er betrifft die geistreiche und lichtvolle Lehrevon den Paaren, deren Tragweite wohl noch nicht genügend er-kannt sein dürfte. Diese Paare oder Systeme von parallelen, gleichstarken, aber entgegengesetzten Kräften waren vor Poinsot kaumals etwas Paradoxes in der Statik bemerkt worden. Er benutztediesen isolirten Begriff, um ihn zur Unterlage einer Lehre für dieUmgestaltung, die Zusammensetzung und für den Gebrauch diesereigenthümlichen Gruppen zu machen. Er hat dabei die funda-mentalen Eigenthümlichkeiten entdeckt, welche 1) in Bezug aufdie Richtung darin bestehen, dass die Wirkung eines Paares le-diglich von der Richtung seiner Ebene oder sehier Axe abhängtund keineswegs von der Stellung dieser Ebene oder von derStellung des Paares in der Ebene; und welche 2) in Bezug auf dieStärke die Kraft darin besteht, dass die Wirkung eines Paaresweder von dem Werthe einer der gleichen Kräfte abhängt, welchedas Paar bilden, noch von dem Arme des Hebels, auf den siewirken, sondern lediglich von dem Produkt der einen von beidenKräften, multiplizirt mit ihrer Entfernung. Poinsot nennt diesdas Moment des betreffenden Paares.
Indem Poinsot die dynamische Methode bei der Ermittelungder allgemeinen Bedingungen des Gleichgewichts anwendete, hater sie mit Hülfe seiner Aufstellung von Paaren vereinfacht undverdeutlicht. Um dieselbe im Allgemeinen zu verstehen, genügtes, sich vorzustellen, dass an einem beliebigen Punkte eines Sy-stems zwei Kräfte hinzugefügt werden, welche jeder von denKräften, die man betrachtet, gleich sind und in entgegengesetzterRichtung wirken, und zwar in einer geraden Linie, die deren Rich-tung parallel ist. Auch dann kann man, ohne den Zustand desSystems zu ändern, es so ansehen, als sei an dessen Stelle gesetzt1) ein System von Kräften, welche den ursprünglichen Kräftengleich sind, und welche parallel zu ihrer Richtung zu dem ein-zigen Punkte übergeleitet sind, den man gewählt hat, und diedeshalb allgemein auf eine Kraft zurückgeführt werden können,und als sei 2) ein System von Paaren an deren Stelle gesetzt,