138
Sechszehntes Kapitel.
beliebigen äusseren Punkt dieselbe, als wenn die ganze Masse dieserKugel ganz in ihrem Mittelpunkt verdichtet wäre; 2) ist ein Punktin das Innere einer Kugel gestellt, deren Moleküle in gleicherWeise auf ihn einwirken, so erleidet er keine Anziehung von Seitendesjenigen ganzen Theiles der Kugel, welcher von dem Mittelpunktweiter als dieser Punkt absteht. Dies gilt wenigstens dann, wennman annehmen kann, dass bei einem nicht gleichartigen Körperjede der nach innen sich ziehenden sphärischen Lagen in allenihren Punkten die gleiche Dichtigkeit enthält.
Was nun die äusseren allgemeinen Umstände anlangt, vondenen man ebenfalls bei Feststellung der allgemeinen Gesetze derMechanik abgesehen hat, wie von der Reibung, von dem Widerstandeder Umgebung u. s. w., so kann man dieselben noch nicht wirk-lich in die Verhältnisse mit einführen, welche die rechnungsmässigeMechanik festgestellt hat; man hat hier nur sein - zweifelhafte undungenaue Hypothesen zu Hülfe nehmen können, die meistentheilsnur als Uebungen im Rechnen angesehen werden können.
Ich habe nun noch die Lehre vom Gleichgewicht für die Fällezu begründen, wo der Körper sich in einem nicht festen Zustandebefindet, sei es in einem flüssigen oder gasartigen. Man kann dieseLehre für flüssige Körper in zwei verschiedenen Weisen behandeln;entweder kann man die Gesetze des Gleichgewichts derselben ge-radezu aufsuchen, oder man kann sie von denen für feste Körperableiten, indem man dabei die aus dem flüssigen Zustand sich er-gebenden Bedingungen mit berücksichtigt.
Die erste Weise ist die leichteste und ist auch zuerst benutztworden. Diesen Charakter haben die Arbeiten der Geometrie im17. und 18. Jahrhundert, welche a priori die Gestalt der Erdein ihrem anfänglichen, flüssigen Zustand bestimmen wollten.Huyghens, Newton und Bouguer haben sich vergeblich darumbemüht. Clairaut war der erste, welcher in seiner Abhandlungüber die Gestalt der Erde die Gesetze des Gleichgewichts füreine flüssige Masse entdeckte, indem er von dem isolirten Gleich-gewicht eines unendlich kleinen Kanals dabei ausging. Er be-gründete damit im ganzen die rationelle Hydro-Statik. Nach ihmhaben Maclaurin und hauptsächlich Euler dieser Lehre die Ge-gestalt geben, welche sie jetzt in allen Abhandlungen hat. Sie