Band 
Erster Band.
Seite
172
JPEG-Download
 

172

Zwanzigstes Kapitel.

als 40 Metern dazu nöthig. Anderseits hat die Erfahrung gezeigt,dass selbst unterhalb solcher unpraktischen Grössen, die Instrumentenicht gewisse Grenzen überschreiten dürfen, wenn nicht ihre Ge-nauigkeit Schaden leiden soll, da sie durch die Schwere, die Tem-peratur u. s. w. verändert werden. Deshalb hat man den Riesen-instrumenten entsagt, welche die arabischen Astronomen im Mittel-alter ohne Erfolg gebrauchten. Die grossen Fernröhre dienen heutzu-tage zu starken Vergrösserungen, aber sind für genaue Messungennicht geeignet. Die für Messung der Winkel bestimmten Instru-mente dürfen ohne Nachtheil drei oder vier Meter im Durchmessernicht überschreiten, wenn es sich um einen ganzen Kreis handelt,ja die gebräuchlichsten haben nur zwei Meter. Dies angenommen,kommt es darauf an, wie man die Winkel beinahe bis zu einerSekunde durch Kreise messen kann, deren Grösse kaum che Ver-zeichnung von Minuten gestattet.

Hierbei haben hauptsächlich drei Mittel zu dieser Vervoll-kommnung geführt, nämlich die Verbindung von Fernrohren mitden Winkelinstrumenten, die Benutzung des Verniers und endlich dieWiederholung der Winkelmessung. Morin ersetzte durch das Fern-rohr ungefähr ein halbes Jahrhundert nach dessen Erfindungdie Alhidaden der Alten und die Diopter des Mittelalters. DreissigJahre später hatte Ausout das feine Netz erdacht, wodurch manmit der äussersten Genauigkeit den wahren Durchgang des Ge-stirns durch che optische Axe des Fernrohres bestimmen konnte.Diese Verbesserungen wurden endlich ein Jahrhundert später durchdie Entdeckung der achromatischen Objektivgläser von Dollond vervollständigt, welche die Schärfe der Beobachtungen so sein- ge-steigert haben.

Die Hülfe, welche Vernier 1081 erdachte, um irgend einenZwischenraum in Theile einzutheilen, kleiner als die kleinsten,die man darauf verzeichnen kann, führte zu dem zweitenMittel für die jetzige Genauigkeit der Winkelmessungen. Alleintrotz der Wichtigkeit des Fernrohrs und des Verniers hatte manohne den Gedanken, che Winkel zu wiederholen, che Winkel-messung doch nicht bis auf che Genauigkeit von Sekunden bringenkönnen. Er ward von Mayer gefasst und von Borda ausgeführt.Das stete Fortrücken der Gestirne verursachte bei der Anwendung