210
Vierundzwanzigstes Kapitel.
liehe Wort Gravitation gebildet als gleichbedeutend mit derallgemeinen Schwere im Weltall . Dagegen kann ich nicht genugden unpassenden Gebrauch tadeln, der noch so oft von dem WortAnziehung beim Studium der Mechanik des Himmels ge-macht wird.
Zur vollen Prüfung des Gesetzes der Gravitation habe ichnoch eines elementaren Gesichtspunktes zu erwähnen. Wir habendie Wirksamkeit der Sonne auf die Planeten und die Wirksamkeitdieser auf ihre Trabanten betrachtet ohne Rücksicht auf die Grösseund Gestalt dieser Körper, als wären sie blosse Punkte. Dasgleiche Verhältniss zwischen der Stärke dieser Wirksamkeit undder Masse des Körpers, der sie erleidet, zeigt, dass sie nur die Mole-küle trifft; diese nehmen alle unabhängig von einander gleichTheil daran, abgesehen von der Ungleichheit der Entfernungen.Die Molekular-Gravitation ist daher allein wirklich, und die derMassen ist nur das mathematische Ergebniss. Deshalb müssen allegegenseitigen Gravitationen beider Gestirne in eine Resultantezusammengezogen werden. Newton hat danach unter Annahmevollkommener Kugelgestalten, die aus gleichartigen Lagen be-stehen , deren Dichte übrigens beliebig wechseln kann, ent-deckt, 1) dass (he gegenseitigen Gravitationen 'aller Molekülederselben Lage auf einen innerlichen Punkt sich aufheben und2) dass die ganze Gravitation eines äusseren Punktes auf die ver-schiedenen Moleküle der Kugel dieselbe ist, als wenn die ganzeMasse dieser Kugel in ihrem Mittelpunkt verdichtet wäre, und dasssich dies also auch bei der gegenseitigen Gravitation zweier Kugelnso verhält. Man kann daher die Himmelskörper bei dem Studiumihrer fortschreitenden Bewegungen wie Punkte behandeln.
Das Gesetz der Gleichheit zwischen Aktion und Reaktion, eineder drei Grundlagen der rationellen Physik, zeigt ohne weitereErklärung, dass die Gravitation in der Art gegenseitig ist, dassdie_Sonne nach jedem Planeten hin Schwere hat, und ebenso diePlaneten nach ihren Trabanten. Was die Gravitation der Pla-neten gegen einander anlangt, so ergiebt sie sich aus der blossenEntwickelung des Fundamental-Gedankens; indess ist sie erst ma-thematisch dargelegt worden, als die Nachfolger Newton’s diegenaue Erklärung der Störungen abgeleitet hatten, welche durch