Fünfundzwanzigstes Kapitel.
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grossen irdischen Vorgang aus einem Zustand der Gestirne ab-leitet. Descartes versuchte zuerst eine Erklärung desselben undbemerkte die stete Uebereinstimmung zwischen dem allgemeinenVorgang dieser Erscheinung mit der Bewegung des Mondes, wo-durch Newton sicherlich auf den Weg zur richtigen Lehre ge-führt wurde. Die ungleiche Gravitation zwischen den verschiedenenTheilen des Oceans zur Sonne und dem Monde bildet das Prinzip,nach welchem Newton die Lehre der Ebbe und Fluth entworfenhat und welche dann von Daniel Bernouilli vertieft worden ist.Das Wesen dieser Lehre erhellt, wenn man zunächst den Mittel-punkt der Erde mit einem andern Gestirn verbindet; dann müssendie beiden entsprechenden Punkte der Erdoberfläche, und zwar dereine etwas mehr, der andere etwas weniger als der Mittelpunktselbst, im verkehrten Verhältniss ihrer bezüglichen Entfernungenvom Gestirn gravitiren. Damit strebt der erstere, sich vom Mit-telpunkt zu entfernen, und dies muss eine Erhebung der flüssigenOberfläche herbeiführen, und der Mittelpunkt strebt umgekehrtsich von dem zweiten Punkt zu entfernen, wo deshalb eine ähn-liche und ziemlich gleiche Erhebung eintreten muss. Diese Wir-kung vermindert sich in dem Maasse, als man sich von diesenbeiden Punkten entfernt, und sinkt bei 90 Grad Entfernung aufNull, wo die Theile des Oceans so wie der Mittelpunkt gravitirenund wo deshalb die Oberfläche sinken muss, um zur Erhöhung deranderen Theile zu dienen. Diese verschiedenen Veränderungen derMeereshöhen verändern gleichzeitig die irdische Schwere der be-treffenden Gewässer, und diese zweite Ursache, welche am schwerstenund unsichersten zu berechnen ist, wirkt in gleicher Richtung, wiedie erste, obgleich in geringerer Stärke, für die Erreichung derallgemeinen gleichen Meereshöhe. Es erhellt daraus, dass dieVf irksamkeit eines Gestirns auf das Meer die natürliche Oberflächedesselben zu verändern strebt und ihm die Gestalt eines verlän-gerten Ellipsoids giebt.
Man begreift nun leicht die regelmässige Wiederkehr des Vor-ganges, wenn man die tägliche Bewegung, die bisher unbeachtetgeblieben, mit einführt. Die tägliche Umdrehung unserer Erdkugelfiihrt die so bedeutenden Gewässer stetig in alle die Lagen, wo dasGestirn strebt, sie zu erhöhen, und in die, wo es strebt, sie zu er-