AchtundzwaDzigstes Kapitel.
247
statten; mit einem Wort: die wahrhaft philosophischen Hypothesenmüssen einfache Vorausnahmen dessen sein, was die Erfahrung unddas Nachdenken hätten unmittelbar entdecken können, wenn dieUmstände des Problems günstiger gewesen wären. Wenn mansich an diese Regel hält, so kann man hnmer Hypothesen auf-steilen, denn man unterstellt dann nur eine mittelbare Erklärungeiner unmittelbaren, wenn diese unmöglich oder zu schwierig ist.Wenn aber beide Erklärungen nicht denselben Gegenstand ein-halten und man mit der Hypothese das erreichen wollte, was derBeobachtung und dem Nachdenken nicht erreichbar ist, so würdeeine solche das wissenschaftliche Gebiet überschreitende Hypothesenur schädlich sein. Denn unsere Studien sind beschränkt auf dienachdenkende Trennung der Vorgänge, um mit der Entdeckung vonderen Gesetzen zu enden, d. li. mit der Entdeckung ihrer dauerndenBeziehungen nach Zeitfolge und Aehnlichkeit. Sie können abernie deren innere Natur betreffen, noch deren Ursache, noch derenZweck, noch die wesentliche Art ihrer Entstehung. Jede Hypo-these, welche diese Schranken überschreitet, kann nur endloseDiskussionen erzeugen, weil sie unlösbare Fragen beantworten will.
Die von den Physikern benutzten Hypothesen theilen sich inzwei Klassen; die eine, bis jetzt wenig zahlreiche, behandelt dieGesetze der Vorgänge; die andere, deren Gebiet ausgedehnter ist,bezieht sich auf die Bestimmung der allgemeinen Agentien, auf"welche man die verschiedenen Gattungen der natürlichen Wir-kungen zurückführt. Also sind nach den vorhergehenden RegelnQur die ersteren Hypothesen zulässig; die zweiten sind chimärischu ßd gefährden nur den Fortschritt der Physik. Das ist die philo-sophische Regel, welche ich aufstellen muss.
In der Astronomie ist die erste Klasse der Hypothesen aus-schliesslich in Gebrauch, seitdem diese Wissenschaft eine positivegeworden ist. Ist ein Vorgang wenig gekannt, ein solches Gesetzunbekannt, so bildet man hierfür eine Hypothese in Ueberein-stimmung mit den gewonnenen Daten, und das Wissen schliesstmit der Führung zu neuen beobachtungsfähigen Folgen, welche°hne Zweideutigkeit die erste Annahme bestätigen oder widerlegenkönnen. Seit Aufstellung des Gesetzes der Gravitation haben dieUeonieter und Astronomen aufgehört, chimärische Fluida zu