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Neunundzwanzigstes Kapitel.
Die Lehre von der Ebbe und Fluth könnte hierher als einAnfang dieses Theiles der Lehre von der Schwere gestellt werden,und es wird dies ohne Zweifel geschehen, wenn die physikalischenStudien so vorgerückt und so mit einander verbunden sein werden,wie sie es sein sollten.
Es bleibt die Betrachtung des letzten Abschnittes derStatik bei der Lehre der Schwere in Bezug auf das Gleichgewichtder Gase übrig, besonders bei der Atmosphäre in Folge derenSchwere. Dazu bedurfte es zunächst der Entdeckung der Schweredes Mittels, in dem wir leben. Diese Schwere konnte nur auf in-direktem Wege festgestellt werden, indem man den Druck prüfte,welchen die Atmosphäre auf die an ihrer Basis befindlichen Körperin Folge der Gleichgewichtsgesetze der Flüssigkeiten ausübt. Einesolche Feststellung war daher vor der mathematischen, durchStevin am Ende des siebzehnten Jahrhunderts begründeten Lehrevon diesem Druck unmöglich. Dessen Lehre hätte zur Aufdeckungdieser grossen Thatsache führen müssen, und diese Aufdeckung istnur durch den Einfluss metaphysischer Gewöhnungen aufgehaltenworden. Es genügte, dass man es wagte, von einem positivenGesichtspunkte aus das Gleichgewicht der Atmosphäre zu betrachten.Dies war die Absicht Galileis in seinen letzten Jahren; sie wurdespäter durch seinen berühmten Schüler Toricelli so schön aus-geführt. Das Dasein und das Maass des atmosphärischen Druckeswurden unbestreitbar, als Toricelli entdeckt hatte, dass dieseKraft die verschiedenen Flüssigkeiten auf Höhen erhält, welchesich im umgekehrten Verhältnis zu ihren Dichtigkeiten verhalten.Die sinnreiche Erfahrung Pascal’s vervollständigte die allge-meine Ueberzeugung, als er feststellte, dass dieser Druck in demMaasse abnimmt, als man sich in der Atmosphäre höher erhebt.Endlich gestattete die schöne Erfindung des berühmten Bürger-meisters von Magdeburg einen direkten Beweis, indem sie die Mittelzur Herstellung eines leeren Raumes gab und demzufolge auchdie spezifische Schwere der uns umgebenden Luft genau zu be-stimmen war, welche bis dahin nur sehr schwankend gemessenworden war.
Da das Gewicht der Luft und überhaupt der Gase sehr be-ständig ist, so bedurfte es nur noch einer letzten Bedingung, um