Dreissigstes Kapitel.
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Dreissigstes Kapitel.
Allgemeine Betrachtungen über die Wärmelehre.
Die ersten wissenschaftlichen Beobachtungen in der Wärme-lehre sind ziemlich so alt als Stevin’s und Galilei’s Entdeckungenbezüglich der Schwere. Das Thermometer wurde im Anfang des17. Jahrhunderts entdeckt; trotzdem blieb die Wärmelehre immerhinter der Lehre von der Schwere zurück. In der Zeit, wo diePhysiker schon lange die Ermittelung der Natur der Schwere auf-gegeben hatten, betrachteten sie im Studium der Wärme nur diechimärischen Versuche über die Natur des Feuers ihrer Aufmerk-samkeit werth. Noch in Mitte des letzten Jahrhunderts krönte dieAkademie der Wissenschaften in dieser Beziehung metaphysischeAbhandlungen, von denen unter anderen man eine, im übrigen miterheblichem Talent verfasste, der gemeinsamen Arbeit Voltaire’smit der Frau v. Chatelet verdankt.
Ich beschränke mich liier auf die Betrachtung des rein phy-sikalischen Studiums der Wärme, welche die Unterlage für ihr mathe-matisches Studium zu bilden hat. Ersteres zerfällt in zwei Theile;im ersten studirt man die Gesetze der eigentlichen Wärmewir-kung, d. h. den gegenseitigen Einfluss der Körper auf die Ver-änderung der Temperaturen, und bekümmert sich um die sonstigenVeränderungen hierbei nicht. Dagegen besteht der zweite Theil indem Studium dieser Veränderungen, d. h. der Modifikationen, jaselbst des Wechsels, welche die physische Verfassung der Körperhi Folge der Veränderungen der Temperatur erleidet, jedoch nurhis zu dem Grade, von wo ab diese Veränderungen auf die mole-kularen Verbindungen sich erstrecken und von wo ab sie zum Gebietder Chemie gehören. Ich wende mich zunächst zu der ersten Klassevon Vorgängen, deren Untersuchungen sich auf die Lehre vonder Erwärmung und Erkaltung beschränken.
Zwischen Körpern von gleicher Temperatur giebt es in Bezugauf Wärme keine Wirkung; die Wirksamkeit beginnt nur, wennaus irgend einer Ursache die Temperaturen ungleich werden. Sie