Band 
Erster Band.
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Fiinfunddreissigstes Kapitel.

kann. Ich muss indess noch einen andern Weg andeuten, durchden die Chemie zur Befreiung des menschlichen Geistes mitzu-wirken bestimmt ist, indem sie die uranfänglichen Begriffe über dieEinrichtung der irdischen Natur berichtigt.

Seit der Schule des Aristoteles haben die Philosophen an-nehmen müssen, dass dieselben elementaren Substanzen sich in dengrossen natürlichen Vorgängen wiederherstellen. Da indess dieserunklare metaphysische Gedanke nicht verwirklicht werden konnte,so ist der menschliche Geist unter der allgemeinen Herrschaft jenestheologischen Dogmas von einer vollständigen Zerstörung und Neu-schöpfung verblieben. Allerdings musste, so lange man die gas-artigen Produkte noch nicht beachten konnte, eine grosse Zahl vonVorgängen auf den Gedanken einer Vernichtung oder Erschaffungder Materie führen. Es bedurfte der Zerlegung der Luft und desWassers, der Auflösung der pflanzlichen und thierischen Substanzen,vielleicht sogar der Auflösung der eigentlichen Alkalien und Erden,um das Prinzip von der Ewigkeit des Stoffes festzustellen und dietheologischen Vorstellungen von Vernichtung und Ergänzung durchdie positiven Begriffe von Trennung und Verbindung zu ersetzen. Be-züglich der Vorgänge im Leben bat die Kenntniss der Elemente der Sub-stanzen in den lebenden Körpern und die Erforschung ihrer Haupt-verrichtungen erwiesen, dass es keine organische Materie geben kann,die völlig von der unorganischen verschieden wäre, und dass diewährend des Lebens geschehenden Umgestaltungen wie alle anderenden Gesetzen chemischer Vorgänge untergeordnet sind. In dieserHinsicht scheint mir die chemische Analyse ihre wesentliche Auf-gabe erfüllt zu haben. Auf dem schwierigeren, aber lichtvollerenWege der Synthese hat nun die Chemie dieses weite Ganze derBeweise zu vervollständigen.

Ich habe endlich noch die Eintheilung der Chemie zu be-trachten. Diese Wissenschaft steht zu nahe «an ihrer Wiege, alsdass die Nebeneinanderstellung ihrer Haupttheile sich in unzweifel-hafter Weise ergäbe. Man hat sich mehr mit Vervielfältigung derBeobachtungen beschäftigt, als mit deren Klassiflzirung.

Die Eintheilung in unorganische und organische Chemiedarf nicht bleiben. Man kann nur zulassen, dass in der abstraktenChemie die Verbindungen nach ihrem Ursprung klassifizirt werden.