360 Neunuaddreissigstes Kapitel.
einer das Studium der pflanzlichen Substanzen, der andere das derthierischen Substanzen befasst, werden sich sehr ungleich vertheilen;der erste wird mehr für die Chemie enthalten, der andere mehrfür die Biologie.
Beim ersten Blick könnte man das Umgekehrte annehmen,denn die chemischen Betrachtungen sind bei den Pflanzen die wich-tigsten. Nachdem man die niederen Klassen in der zoologischenRangordnung überschritten hat, sind die chemischen Wirksamkeiten,wenngleich sie immer die Unterlage für das Leben bilden, docheiner höheren Ordnung von neuen vitalen Thätigkeiten unterge-ordnet. Allein in Folge eines höheren Grades von Verarbeitung,welche der Stoff in der thierischen Organisation im Vergleich zudem pflanzlichen Organismus erhält, zeigt der chemische Tlieil derThier-Physiologie mehr Ausdehnung und Verwickelung, als der,welcher zur Pflanzen-Physiologie gehört, wo z. B. die ganze Reihevon Vorgängen bei der. Verdauung fehlen, und wo die Assimilationund die Sekretion auch viel einfacher sind. Der Pflanzenwuchsbildet die Hauptquelle der organischen Zusammensetzungen, welcheder thierische Organismus meistens dem Pflanzenorganismus ent-nimmt, indem er sie mehr oder weniger verändert, bald durch ihrebeiderseitigen Verbindungen, bald durch neue Einflüsse von aussen.So muss das Gebiet der Chemie hauptsächlich durch das Studiumvon Pflanzen-Substanzen vermehrt werden.
Die Nothwendigkeit, die organischen Verbindungen dem Gesetzdes Dualismus zu unterstellen, habe ich bereits genügend festge-stellt, und brauche ich deshalb nicht darauf zurückzukommen.Dessenungeachtet möchte ich eine neuere Auffassung erwähnen,nach welcher diese Ansicht zur Vervollkommnung der chemischenLehren dadurch beitragen kann, dass sie eine genügendere Ueber-einstimmung zwischen der Verbindung der verschiedenen organi-schen Substanzen und der Gesammtheit ihrer Eigenschaften ge-währt.
Wenn diese Substanzen als drei- oder viertheilige aufgefasstwerden, so kann die Identität ihrer drei oder vier Elemente derenMannigfaltigkeit nur aus dem Unterschied der Verhältnisse ihrerBestandteile erklären. Diese Auffassung führt in einer grossenZahl von Fällen dahin, dass die sehr starken Unterschiede zwischen