Band 
Erster Band.
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392
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392 Vierzigstes Kapitel.

des Gegenstandes. Wie steht es nun hier mit den biologischenFragen?

Selbst wenn man die mathematischen Gesetze der einzelnenelementaren Verrichtungen, die die Vollziehung der Lebensvor-gänge bestimmen, als bekannt annimmt, gestattet doch die grosseVerschiedenheit und nicht auflösbare Menge dieser Gesetze nicht,mit Erfolg die logischen Kombinationen weiter zu verfolgen.Dies zeigt sich schon bei der Astronomie, wenn man gleichzeitigzwei oder drei wesentliche Einwirkungen in Betracht nehmen will.Ueberdies hindert diese Komplikation die mathematische Entwicke-lung der elementaren Gesetze; denn sie könnten nur durchUntersuchung ihrer zahlenmässigen Wirkungen in Benutzungkommen. Auch zeigen die Zahlen in Bezug auf die Vorgängelebender Körper einen steten und unregelmässigen Wechsel, welcherfür die Geometer zu einem so unübersteiglichen Hindemiss wird,als wären diese Abstufungen durchaus willkürlich. In der Biologiekann man nicht zwei Fälle aufstellen, die blos in einem Punkteverschieden wären. Wie könnte man da mit der Gleichmässigkeitder Bedingungen bei den Vorgängen die Gleichheit ihrer Abstu-fungen verbinden, welche jede mathematische Abschätzung verlangt?

Das Wesen des Rechnens sucht allerdings bei ärztlichen Fragensich einzumischen, aber doch auf einem weniger unmittelbarenWege, unter einer ansprechenderen Form und mit beschei-deneren Ansprüchen. Ich meine die Anwendung der Statistik aufdie Medizin, die doch nur zur Entartung der ärztlichen Kunstführen könnte, wenn sie auf blinde Zahlenzusammenstellungenzurückgebracht wird. Eine solche Methode, wenn sie diesen Namenverdient, wäre in Wahrheit mm der totale Empirismus, aber ver-hüllt unter einem leichtfertigen mathematischen Schein. Sie könntenur zum Verschwinden aller wissenschaftlichen Heilkunst führen,um auf das Geradewohl allerlei Heilmethoden zu probiren, ohneetwas weiter zu leisten, als die Zahlenergebnisse ihrer Anwendungmit Genauigkeit zu vermerken. Die Veränderungen im Organis-mus treten im kranken Zustande mehr hervor, als in dem nor-malen, und die einzelnen Fälle sind einander weniger ähnlich; des-halb kann man zwei Heilverfahren nicht nach den blossen statis-tischen Tabellen ihres Erfolges vergleichen und dabei von aller