Vierzigstes Kapitel.
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medizinischen Lehre absehen. Trotz des blendenden Scheines einerformalen Genauigkeit, könnte doch bei der Medizin kein ober-flächlicheres Verfahren erdacht werden, als das, welches sich auf dasZusammenrechnen der günstigen und ungünstigen Fälle stützte.Ein solches Verfahren, bei dem jede Art von Versuchen zuge-lassen würde, müsste in der Ausführung von den verderblichstenFolgen sein. Man muss es beklagen, wenn die Geometer zu einersolchen Verirrung mitunter ermuthigt haben, indem sie vergeb-lich versuchten, nach ihrer Lehre vom Zufall die Zahl der Fällezu bestimmen, welche solche statistische Grundlagen zu berechtig-ten machen sollen.
Der mit der Rechnung getriebene Missbrauch hat der positivenEntwickelung der Biologie geschadet; indess haben die Gelehrten,welche dieser tadelnswerthe Einfluss zur Missachtung der Bedeu-tung der Mathematik verleitet hat, nicht weniger einen schwerenIrrthum begangen. Die Unterordnung der Biologie unter dieMathematik besteht allerdings, aber in mittelbarer Weise durch dieBeziehungen der Biologie zu der Physik und Astronomie, da dieBiologen diese Wissenschaften nicht studiren können, wenn siesich nicht zuvor mit der Mathematik vertraut gemacht haben.Ueberdem sind die geometrischen und mechanischen Begriffe noth-wendig für das Verständniss des Baues und des Ganges so ver-wickelter Vorrichtungen, wie die des lebenden Organismus, nament-lich bei den Thieren. Lässt man also im Uebrigen jede chimä-rische Vorstellung bei Seite, so werden doch die allgemeinen Lehrender Statik und Dynamik sich fortwährend bei dem Mechanismuslebender Körper bewähren. Bei den verschiedenen Arten von Be-wegung und Ruhe verhält sich selbst das höchste Geschöpf wiejede andere mechanische Vorrichtung ähnlicher Verwickelung,mit Ausnahme des Unterschiedes des Bewegers, welcher keinenEinfluss auf che Gesetze für die Verbindung von Bewegungenoder für die Neutralisation der Anstrengungen ausübt. In derGeometrie kann aber che Mechanik sich nicht davon entbindenund die anatomischen und physiologischen Betrachtungen verlangenüberdem Uebung in Verfolgung der verwickelten Beziehungen zwi-schen Gestalt und Lage.
Diese Unterordnung der Biologie ergiebt sich vom logischen