Sechsundvierzigste» Kapitel.
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tage dienen kann, gereicht er ihr zu einem zwiefachen Schaden.Einerseits stemmt er sich gegen den Aufbau der Moral auf festereGrundlagen hei den Geistern, welche, jeden Tag zahlreicherwerdend, der Glaube nicht mehr beherrscht; anderseits ist er zuunbestimmt geworden, um eine grosse praktische Wirksamkeit aufdiejenigen zu äussern, welche am wenigsten ungläubig gewordensind. Die gebräuchliche Moral derer, welche noch hinreichend re-ligiös geblieben sind, ist trotz der geistigen Anarchie keineswegseine höhere, als die bei der Mehrzahl derer, die sich getrennthaben. Ein Hauptstreben des religiösen Glaubens ist es der Mehr-zahl, welche ihn noch festhält, einen unübersteiglichen Hass gegenalle einzuflössen, die sich davon frei gemacht haben. Deshalb müssendie wichtigsten Verwüstungen, sowohl bei der Privat- wie bei deröffentlichen Moral, welche die geistige Anarchie herbeiführt, min-destens eben so streng der stationären und reaktionären Philoso-phie, wie der revolutionären zugerechnet werden.
Das zweite Kennzeichen unsrer Lage ist die Sittenverderbnissinmitten der Regierung. Die drei Lehren helfen vereint zu diesemschmachvollen Zustand, indem jede in ihrer Weise alle politischeUeberzeugung zu beseitigen sucht. Es ist dies eine Folge des geistigenZustandes, wo die allgemeinen Ideen ihre Wirksamkeit verloren habenUn d nur noch eine Rücksicht auf rein persönliche Interessen zu-lassen. Ein solcher Einfluss findet beinahe niemals auf Menschenv °n tiefen UeberZeugungen statt. Die menschliche Natur erniedrigtsich selten so tief, um eine politische Haltung zu gestatten, welchena Gegensätze zu festen Ueber Zeugungen steht. Bei der wissen-schaftlichen Klasse , wo die philosophischen Ueberzeugungen be-stimmter vorhanden sind, kann eine thätige Korruption nicht wohlausgetührt werden, obgleich hier die Gemüther meist nicht vonener gischem Schlage sind. So muss man mit wenigen Ausnahmendie Ausdehnung einer Korruption, welche die halben, unbestimmtenun d ungenügenden Ueberzeugungen nach Beheben wendet, wie diepolitische Welt sie bietet, vorzüglich der geistigen Anarchie zu-schreiben. Die Verwirrung der Geister gestattet nicht blos dieAusbreitung der politischen Korruption, sondern sie verlangt sie,da sie das einzige Mittel ist, eine grosse Uebereinstimmung herbei-zuführen, deren die soziale Ordnung nicht entbehren kann. Man