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Zweiter Band.
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Siebenundvierzigstes Kapitel.

fluss der Lehren, Institutionen und Gewalten der früheren Zeit. Insolcher Auffassung zeigt das Studium der Vergangenheit nur dieArt eines fortlaufenden Wunders, bei dem man sich selbst die ge-meine Zuflucht zu einer Vorsehung versagt. Man kann sich deshalbnicht wundern, wenn Condorcet , trotz der vorkommenden verdienst-vollen Bemerkungen, keines der Gesetze für die menschliche Ent-wickelung erfasst hat, da er die vorübergehende Natur der revo-lutionären Politik nicht geahnt und den Begriff der sozialenZukunft nicht erreicht hat. Diese entscheidende Erfahrungzeigt, wie wenig die kritische Lehre sich mit dem Studium derpositiven Gesetze des sozialen Fortschrittes verträgt. Mau kanndeshalb die philosophische Ueberlegenheit Montesquieu’s nicht genugbewundern; ohne dass er, wie Condorcet , über den revolutionärenGeist urtheilen konnte, hat er sich in Bezug auf die Vergangen-heit von Vorurtheilen befreit, welche seine Zeitgenossen'noch be-herrschten. Diese Betrachtungen zeigen uns den Werth der poli-tischen Bedingungen, welche die Begründung der sozialen Wissen-schaften bedarf; dazu gehörte, dass der revolutionäre Geist seingrosses Uebergewicht allmählich verlor. Wir werden so auf eineinandern Weg zur gegenwärtigen Zeit zurückgeführt.

Die beiden philosophischen Versuche, welche ich eben be-sprochen habe, sind die einzigen, welche den Weg verfolgen, derzur Begründung der sozialen Wissenschaften führen kann.

Ich habe auch als ein Streben nach diesem Ziele die steigendeNeigung unsrer jetzigen Geister zu historischen Studien zu er-wähnen, Studien, welche in den zwei letzten Jahrhunderten sieberheblich vervollkommnet haben.

Bossuet verdankt man den ersten Versuch, das Ganze derVergangenheit zu betrachten. Allerdings können die leichten abettäuschenden Hülf'smittel der theologischen Philosophie, welch®zwischen den Ereignissen eine scheinbare Verbindung herstelleßtheute nicht mehr benutzt werden; wenn indess ein solcher Versuchvon einem, das Ganze umfassenden Geiste geleitet ist, so wird erimmer ein bedeutendes Muster bleiben. Der Art ist hauptsächlichBossuet’s Beurtheilung der römischen Politik; selbst Montesquieu ver-mochte sich nicht immer auf der Höhe einer solchen zu erhalten. D® fEinfluss dieses ersten Beispiels hat zur Kräftigung der wichtigste 11