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Zweiter Band.
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Achtundvierzigstes Kapitel.

welche ich schon bei den übrigen Wissenschaften als das Kenn-zeichen der Positivität genannt habe. Man muss die sozialen Vor-gänge ebenso auffassen wie alle anderen Vorgänge, die man inner-halb der Schranken für die Genauigkeit, welche deren höhere Ver-wickelung auferlegt, voraussehen kann. Der Gedanke einer ver-nünftigen Voraussicht genügt, damit der menschliche Geist dieRegion der metaphysischen Idealisten verlasse, um sich auf demGebiet der beobachteten Wirklichkeit einzurichten und die Phan-tasie der Beobachtung unterzuordnen. Die politischen Auffassungensind dann nicht mehr unbedingte, sondern beziehen sich auf denveränderlichen Zustand der Civilisation, damit dann die Theorien,indem sie dem Laufe der Thatsachen folgen, gestatten sie voraus-zusehen. Das politische Handeln muss innerhalb fester Gesetzebeschränkt bleiben; ohnedem könnte die Reihe der sozialen Er-eignisse nicht vorausgesehen werden, denn sie wären dann immerden tiefgehenden Störungen des Gesetzgebers, mag dieser ein mensch-licher oder göttlicher sein, ausgesetzt.

Bei Ereignissen, welche von einem übernatürlichen Willen ge-leitet werden, mag man wohl Offenbarungen annehmen, allein siekönnen keine wissenschaftliche Voraussicht vertragen, denn schonein solcher Gedanke wäre eine Gotteslästerung. Die alte Philo-sophie bietet nur eine blinde Verehrung für alle vollendeten That-sachen; ihre leeren Formeln können zu keiner Andeutung dersozialen Zukunft führen.

Ich habe nun den Geist der Soziologie zu prüfen, nachdemich deren Bedingungen gekennzeichnet habe.

Indem die sozialen Vorgänge als solche aufgefasst werden, welchenatürlichen Gesetzen unterliegen, frägt es sich, welches der Inhaltund Charakter dieser Gesetze ist. Ich muss dafür eine Unterschei-dung auf die sozialen Vorgänge anwenden, die ich schon bei allenanderen Wissenschaften benutzt habe, indem ich bei jedem be-trachteten Gegenstand den statischen^Zustand von dem dyna-mischen getrennt gehalten habe. Bei der Soziologie muss manfür jedes politische System das Studium der Bedingungen für dieExistenz der Gesellschaft von dem der Gesetze für seine Bewegungunterscheiden. Dieser Unterschied führt zu zwei Hauptwissen-