86 Achtund vierzigste» Kapitel.
düng der vergleichenden Kunst bei soziologischen Untersuchungenbestehen.
Wollte man blind das biologische Verfahren nachahmen, sowäre dies ein Missverstehen der zwischen beiden Wissenschaften be-stehenden Aehnlichkeiten, denn die thierische Rangordnung, welchein der Biologie das hauptsächliche Hülfsmittel der vergleichendenMethode ist, hat in der Soziologie nur eine untergeordnete Wich-tigkeit. Allerdings bewirkt, wie ich überzeugt bin, der Einfluss dertheologischen und metaphysischen Philosophie eine unverständig®Verachtung für jede Zusammenstellung der menschlichen Gesell"schaft mit denen der Thiere. Wenn aber die Soziologie erst vondem positiven Geiste geleitet sein wird, wird man erkennen, wi®nützlich die Vergleichung des Menschen mit den Thieren ist, undnamentlich die mit den höheren Säugethieren; insbesondere dann, wenndie Gesellschaften der Thiere, die man jetzt noch so wenig kennt,besser beobachtet sein werden. Der Hauptfehler einer solchenArt von Vergleichung ist, dass man auf statische Betrachtungenbeschränkt bleibt, und die dynamischen nicht erreichen kann-Dieser Mangel kommt davon, dass der soziale Zustand bei denThieren zwar nicht so unveränderlich ist, als man meint, aber dochseit der vollen Entwickelung des Uebergewichts der Menschen.nur kaum merkbare Veränderungen erfährt, welche mit den steten-Fortschritten der Menschheit nicht vergleichbar sind.
Indem wir also auf die soziale Statik beschränkt sind, scheint (mir doch eine hier stattfindende Vergleichung für die besser®Kennzeichnung der elementarsten Gesetze der Solidarität sehr g®'eignet. Nichts ergiebt deutlicher, wie die hauptsächlichsten soziale 11Beziehungen, die so viele sophistische Geister meinen, beliebignach ihren eiteln Anforderungen umgestalten zu können, in der Natu*selbst begründet sind. Sie werden die Familienbande dann nichtmehr als gemachte und willkürliche ansehen, wenn sie dieselbe 0mit den gleichen Kennzeichen auch bei den Thieren antreffenzwar in einem um so stärkeren Grade, je mehr deren Organist» 1 '®sich dem menschlichen nähert.
Die vergleichende Methode findet in der Soziologie ihre hauptsächlichste Anwendung bei einer Zusammenstellung gleichzeitig®*Zustände der Gesellschaft auf verschiedenen Punkten der Erde 110