164
ZweiundfünfzigHtes Kapitel.
verhindert. Nicht in. dieser Epoche hat die theologische Philo-sophie ihre grosse politische Wichtigkeit erlangt. Um liier jedeUngewissheit zu beseitigen, muss man den Grund kennen, weshalbder Fetischglaube als Mittel der Civilisation den geringeren Ein-fluss gehabt hat.
Trotz der modernen Vorwürfe, welche man der priesterlichenAutorität macht, so ist doch eine solche für die nützlichen Wir-kungen der civilisatorischen Eigenschaft der theologischen Philo-sophie unentbehrlich. Ohne diese Bedingung können die theologi-schen Ideen eine grosse Ausdehnung und Stärke gewinnen undden Geist beinahe ausschliesslich beherrschen und doch nur eineschwache politische Beständigkeit vertragen. Dies bestätigen dieErfahrungen der letzten drei Jahrhunderte, wo die Desorganisationder theologischen Autorität die religiösen Glaubensweisen viel mehrzu einem Anlass sozialer Uneinigkeit, als Einheit gemacht hat.
Der Fetischglaube verträgt weniger als der Polytheismus dieEntwickelung einer priesterlichen Autorität, welche zu einer be-sonderen Klasse sich organisirt. Beinahe alle Götter des Fetisch-glaubens sind einzelne und jeder Gott hat seinen Sitz in einembestimmten Gegenstände, während die Götter des Polytheismusschon eine grössere Allgemeinheit, ein ausgedehnteres Gebiet undeinen weniger engen Sitz haben. Der Fetischglaube stimmt s°mehr mit dem ursprünglichen Zustande des menschlichen Geistes,allein er bietet viel weniger Hülfsmittel für die Vereinigung undRegierung der Menschen. Obgleich es einen Fetischglauben von 1Stämmen und selbst von Nationen giebt, so sind doch die meistennur auf eine Familie, ja nur auf eine Person beschränkt, waseine Entwickelung gemeinsamen Denkens nicht wohl gestattet.Ueberdem macht der Umstand, dass jede Gottheit ihren Sitz uieinem materiellen Gegenstände hat, das Priesterthum beinah® |überflüssig und hindert damit den Aufschwung einer besonderenund einflussreicheren geistigen Klasse. Dies liegt nicht in einergeringeren Ausdehnung des Kultus, denn dieser nimmt vielmehreinen grösseren Raum im ganzen Leben, das von ihm mehr durch-drungen ist, ein, als in jeder anderen Epoche; aber es bleihtmehr bei einem persönlichen Kultus, wo jeder Gläubige auch seu 1Geistlicher sein kann.