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Dreiundfünfzigstes Kapitel.
Der Fetischglaube kennzeichnet sich durch das Uebergewichtdes Gefühlslebens, dessen religiöse Weihe zu keiner anderen Zeitso vollständig sein konnte. Daher sein Streben die schönen Künstezu begünstigen, namentlich die Poesie und die Musik, in welchendie ästhetische Entwickelung zunächst beginnen musste. Seit dieserEpoche hat die äussere Welt niemals wieder in einem Zustanderfasst werden können, welcher mit der Seele des Beschauers sotibereinstimmte. Die wenigen Bruchstücke der Philosophie desalten wie neuen Fetischglaubens, die man prüfen kann, zeigenseine Ueberlegenheit bezüglich der leblosen Wesen, deren Schil-derung der Dichtkunst und noch mehr der Musik später, selbstunter der Herrschaft des Polytheismus, weniger gelungen ist, ob-gleich derselbe trotz seiner besondern Hülfsmittel in dieser Hin-sicht nicht weniger aufgehört hatte, den Stoff zu beleben.
Der Polytheismus entschädigte für diesen theilweisen Mangeldurch das Mittel der Metamorphosen, wodurch das Eintreten desGefühls und der Leidenschaft in jedes der wichtigsten unorganischenElemente bewahrt wurde; dieser mittelbare Ueberrest des Gefühls-lebens, welcher nun auf die erste Bildung des Einzelnen oderselbst der Gattung beschränkt wurde, konnte in poetischer Kraftbei weitem nicht das leisten, was der Begriff einer unmittelbarenund persönlichen Lebendigkeit vermochte. Da einst die schönenKünste vorzüglich die moralische Welt zu ihrem Gegenstände hatten,so hatte die poetische Ueberlegenheit des Fetischglaubens in Bezugauf die physische Welt eine viel schwächere Bedeutung im Ver-gleich zu den Vortheilen, welche der Polytheismus in jeder anderenHinsicht gewährte. Ich habe daher dieses zweite religiöse Zeitalterzu betrachten, nachdem ich es bei seinem Ausgangspunkt mit demersten verknüpft habe.
Der Polytheismus hat die Phantasie in der freisten und un-mittelbarsten Weise zur Entfaltung gebracht; denn die Phantasiemusste alle jene vermeintlichen Wesen ausbilden, von denen nm üalle Vorgänge ableitete. Nachdem die Philosophie für dieErklärung der physischen oder moralischen Vorgänge eine neueGottheit eingeführt hatte, so übernahm die Poesie dieses zunächstabstrakte und wenig bestimmte Wesen, um es mit einem Costüm,mit den seiner Bestimmung entsprechenden Sitten und mit einer