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Zweiter Band.
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Dreiuud fünfzigstes Kapitel.

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möglichst ins Einzelne gehenden Geschichte auszustatten. DieseZugaben, welche der Fetischglaube nicht zulassen konnte, weil dadie Gottheiten von selbst concrete waren, haben zu dem Auf-schwung der schönen Künste viel beigetragen; sie waren dadurchmit einer Art von dogmatischer Thätigkeit ausgerüstet. Fernerkonnte der Fetischglaube sich nur sehr unvollkommen der Er-klärung der moralischen Welt widmen; indem nun der Polytheis-mus diese Aufgabe unternahm, so hat er damit den schönen KünstenAr wichtigstes Gebiet eröffnet.

Endlich hat der Polytheismus die Entwickelung der schönenKünste dadurch gefördert, dass er der ästhetischen Handlung einev olksthümliche Unterlage gab. Die schönen Künste waren haupt-sächlich für die Massen bestimmt; sie mussten sich deshalb an einSystem volkstümlicher und bekannter Meinungen anlehnen undsie bereiteten so zwischen dem Dichter und dem Zuschauer jenemoralische Uebereinstimmung, welcher diesen veranlasst, jenem inhen angewandten Ausdrucksmitteln beizustehen, wodurch alleine m Kunstwerk wirksam werden kann. Gerade die weitere Aus-bildung dieses Mittels fehlt der modernen Kunst und daher kommtgeringe Wirkung so vieler Meisterwerke, welche ohne Glaubengeschaffen und ohne Ueberzeugung beurteilt werden. DieseMeisterwerke erregen trotz ihrer Verdienste nur allgemeine Em-pfindungen, wie sie den Gesetzen der menschlichen Natur nachbestehen; ihr Einfluss bleibt deshalb zu abstrakt und folglich zu'venig volkstümlich. Die Ueberlegenheit des Polytheismus ist hierinWeniger zu bestreiten, als in andern Punkten; keine Philosophiebat eine solche Fülle von Volkstümlichkeit erlangt. Der Mono-theismus war selbst in seiner Glanzzeit nicht so populär wie dieseMte Religion; sogar ihre moralischen Unvollkommenheiten habenbtten Einfluss begünstigt und weiter verbreitet.

Die Entwickelung der ästhetischen Fähigkeiten wirkt zugleichjmf den Verstand und auf das Herz und bildet eines der wichtigstenhttel für die geistige und moralische Erziehung. Bei der sehr ge-igen Zahl hervorragender Geister, wo das verständige Element in°%e seiner beinahe ausschliesslichen Uebung überwiegend wird,8u tt der Einfluss der schönen Künste an das moralische Leben,"’ as dann oft in Vergessenheit geräth, zu erinnern. Bei den grossen