Dreiundfiinfzigstes Kapitel.
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grösseren Ausdruck moralischer Empfindungen. Das Alterthumtat keine Werke hervorgebracht, welche sich mit den LeistungenRaphaels und mit vielen andern modernen Werken messen können.Die scheinbare Ausnahme bei der Bildhauerkunst erklärt sich ausden Sitten und der Lebensweise im Alterthum, welche ihr eine ge-nauere und vertrautere Kenntniss der menschlichen Gestalt hoten.
Endlich darf man auch die ausserordentlichen Fortschritte inder Baukunst und die höhere Bedeutung so vieler grossartigerHauptkirchen nicht verkennen, wo die moralische Kraft zu einemGrad von Vollkommenheit gebracht worden ist, wie sie selbst dieschönsten Tempel des Alterthums trotz ihrer Regelmässigkeitnicht bieten.
Die schönen Künste sollen das moralische und soziale Lebennachbilden; sie passen sich namentlich einem gleichmässigen ge-selligen und festen Verkehr an, dessen Charakter eine sehr be-stimmte künstlerische Darstellung verträgt. Dies fand im Alter-thum unter der Herrschaft des Polytheismus statt. Mit dem Beginndes Mittelalters befand sich der soziale Zustand nur in einem aus-gedehnten Uebergange unter dem Vorsitz des Monotheismus, welcherWeniger die ästhetische Entwickelung, als die wissenschaftlicheGewegung zu unterstützen vermochte. Diese Umstände haben ge-meinsam den Gang der Kunst verlangsamt, obgleich das Geniebeinahe in allen ihren Zweigen sich in seinen Leistungen den her-vorragendsten Werken des Alterthums gleichstellte, ja sich nochdarüber erhob. Nur der soziale Einfluss der Kunst hat abge-üotnmen. Wenn so trotz ungünstiger Bedingungen doch ein steterFortschritt sich vollzieht, so zeigt dies, dass die ästhetischen An-tagen der Menschheit, wie alle andern, sich in einer steten Ent-wickelung befinden.
Wenn die moderne Civilisation endlich ihren Charakter ent-wickelt haben wird, so wird die Menschheit sich zu einem sozialen^Ustand erheben, welcher gleichartiger als der des polytheistischen^■lterthiuns sein wird. Die Künste werden neue Formen auffinden,Wenn deren Genius sich dem geistigen Regiment angepasst habenwird. Dann wird man die bewunderungswerthe Ausbildung der^etherischen Fähigkeiten für das gemeinsame Glück benutzen unde ® wird aller Augen die Verwandtschaft sich offenbaren, welche